MotoGP

„Die Leidenschaft macht den Unterschied“

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Interview: Ducati-Rennfahrer Andrea Dovizioso und Sportdirektor Paolo Ciabatti

Die Motorrad-Weltmeisterschaft MotoGP gastiert nach 19 Jahren erstmals wieder im österreichischen Spielberg. Blog-Autorin Verena Väth hat Ducati Sportdirektor Paolo Ciabatti und Werkfahrer Andrea Dovizioso getroffen und mit ihnen über Leidenschaft, Glücksgefühle und Teamwork im Motorrad-Rennsport gesprochen.

MotoGP Sachsenring
Nach dem Training gibt Dovizioso seine Eindrücke an sein Team weiter. Da zwischen Team und Fahrer – anders als in der Formel 1 – keine Funkverbindung besteht, gibt es nur diese Möglichkeit des Austauschs. Während des Rennens ist der Fahrer dann auf sich alleine gestellt.

Die MotoGP ist für Teams und Fahrer oft ein Wechselbad der Gefühle. Unzählige Faktoren entscheiden während eines Rennens über Sieg und Niederlage, Jubel und Enttäuschung. Wetter, Streckenbeschaffenheit, Motorradtechnik, das richtige Timing beim Motorradwechsel, das eigene Fahrvermögen und das der Konkurrenten. Einen Teil können die Teams selbst beeinflussen, doch oft kommt es auf das berühmte Quäntchen Glück an. Wie sich die Fahrer und das Team während eines Rennens fühlen und wie man sich nach Niederschlägen wieder motiviert erzählen Ducati Sportdirektor Paolo Ciabatti und Werkfahrer Andrea Dovizioso im Interview.

Was ist das Ziel für das heutige Rennen in Spielberg?

Paolo Ciabatti: Das Ziel ist immer ein Podiumsplatz. Und in dieser Saison wollen wir endlich wieder ganz oben stehen. Je früher, desto besser.

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Paolo Ciabatti im Interview mit Blogautorin Verena Väth: "Selbst nach vielen, vielen Jahren Erfahrung ist der Nervenkitzel noch voll da."

Das letzte Rennen auf dem Sachsenring ist gut gelaufen, aber nicht jedes Rennen endet auf dem Podium. Wie motivieren Sie sich nach einer Niederlage?

Paolo Ciabatti: Das gute und schlechte am Motorsport ist: Selbst nach vielen, vielen Jahren Erfahrung ist der Nervenkitzel, die Anspannung und das Adrenalin noch voll da. Wenn es gut läuft, ist das natürlich ein sehr positives Gefühl. Wenn es nicht so gut läuft, ist die Enttäuschung dagegen sehr groß. Aber wir sind alle professionell genug um damit umzugehen. Wir wissen zum Glück, dass es beim nächsten Rennen wieder eine Chance gibt.

Andrea Dovizioso: Wir müssen einfach positiv denken und die Situation analysieren. Wenn wir wissen was passiert ist und warum es passiert ist, können wir die Dinge verändern, um das nächste Mal ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Welche Eigenschaften muss man als professioneller Rennfahrer mitbringen?

Andrea Dovizioso: Die Leidenschaft ist der Schlüssel. Die meisten Fahrer starten mit etwa sieben Jahren mit dem Rennsport. Schon da kann man sehen, wer hungrig ist zu gewinnen und wer nicht. Dieser Siegeshunger macht eindeutig den Unterschied. Diesen muss man sich bis zuletzt bewahren. Aber natürlich braucht man auch viele andere Eigenschaften: Talent, ein individuelles Training, ein perfekt abgestimmtes Bike und ein Team, das einem den Rücken stärkt – im Sport und zuhause.

 

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Andrea Divizioso im Gespräch mit Blogautorin Verena Väth: "Die Leidenschaft ist der Schlüssel."

Apropos Team – wie würden Sie den Spirit bei Ducati Corse beschreiben?

Paolo Ciabatti: Die MotoGP-Weltmeisterschaft ist sehr lang. Wir fahren 18 Rennen und sind mindestens 21 Wochen gemeinsam unterwegs. Über diesen Zeitraum reisen und leben wir zusammen. Wir sind 35 Team-Mitglieder und kennen uns mittlerweile sehr gut. Wir versuchen die Leidenschaft in positiven und negativen Situationen hoch zu halten. Das ist nicht immer einfach, aber wir geben unser Bestes. Im Prinzip geht es bei uns zu wie in einer großen Familie – italienisches Essen inklusive. Das mag merkwürdig klingen, aber wir sind froh, einen italienischen Koch dabei zu haben. Der Wert des Essens ist nicht zu unterschätzen.

Geben Sie uns Einblicke in die Gefühlswelt eines Rennfahrers: Sind Sie nach so vielen Jahren vor dem Start immer noch richtig nervös?

Andrea Dovizioso: Jeder ist beim Start sehr angespannt. Das hängt vor allem damit zusammen, was im Vorfeld passiert ist: Wie war das Training, die Qualifikation oder gab es Probleme? Während des Rennens fährt dann in jeder Sekunde die Angst mit. Denn die Rennen sind einfach gefährlich. Wir können jederzeit stürzen und diese Gefahr spüren wir. Aber die Angst ist wichtig. Hätten wir keine, würden wir die Grenzen überschreiten.

Sind Sie als Sportdirektor auch so nervös wie die Fahrer?

Paolo Ciabatti: Sicherlich nicht ganz, aber auch für uns ist es selbst nach vielen Jahren immer noch ergreifend. Wir stehen bis zum letzten Moment an der Startmarkierung bei den Fahrern. Wenn sie dann die Formationsrunde beendet haben, das rote Licht ausgeht und sie starten, ist der Herzschlag wirklich verrückt. Wir sollten ihn mal messen, das wäre sicher spannend. Egal wie lange man schon dabei ist, unser Beruf ist sehr emotional. Gerade in den ersten Kurven sind wir voller Adrenalin und auch etwas besorgt. Das Feld ist noch sehr eng beieinander, sodass hier die meisten Fahrerkontakte stattfinden.

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Während des Rennens fährt dann in jeder Sekunde die Angst mit.

Die letzte Runde ist oftmals das Zünglein an der Waage. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie um das Podium kämpfen?

Andrea Dovizioso: Für mich ist das der beste Moment des Rennens. Wenn wir um das Podium kämpfen, strömt bei mir das Adrenalin durch den ganzen Körper.

Paolo Ciabatti: Die letzten Meter sind wirklich oft sehr entscheidend und können die Gefühle nochmal komplett umdrehen. In Argentinien war es so. Wir waren in der letzten Runde auf den Plätzen zwei und drei. Innerlich hatte ich mich schon auf den Jubel vorbereitet und habe voller Freude dem Ende entgegengefiebert. Doch dann gab es einen Fahrerkontakt und beide sind gestürzt. Es fehlten nur noch 50 Meter! Das war schwer, dieser Fall von extremen Glücksgefühlen zu bitterer Enttäuschung.

Doch wenn wir gewinnen, ist es einfach toll unter dem Podium zu stehen und dem Fahrer zuzujubeln. Das ist der Moment, für den wir arbeiten. Das entlohnt für alles.

Geschafft. Dovizioso fährt am Sachsenring auf Platz Drei.

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