Werner Zimmermann, Leiter Qualitätssicherung bei Audi

Wie geht Qualität digital?

Interview mit Audi Qualitätschef Werner Zimmermann

Seit 17 Jahren leitet Werner Zimmermann die Qualitätssicherung bei Audi. Und schon lange befassen sich sein Team und er mit der digitalen Transformation. Zeit also für ein Gespräch – mit der Leitfrage: Wie geht Qualität digital?

Herr Zimmermann, interessieren sich Audi-Kunden überhaupt noch für Spaltmaße oder zählen Dinge wie ein perfekt integriertes Smartphone-Interface längst mehr?

Zimmermann: Das eine schließt das andere nicht aus. Wir wissen aus dem Feedback unserer Kunden, dass sie die sprichwörtliche Audi-Qualität schätzen und erwarten. Spaltmaße sind nur ein Aspekt. Wesentlich ist das Gesamterlebnis mit dem Auto – und das mit allen Sinnen: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen. Aber ja, die Vernetzung im Fahrzeug und mit dem Umfeld wird immer wichtiger. Qualität ist ja auch kein statischer Begriff, sondern dem Wandel unterlegen.

Porträt Werner Zimmermann, Leiter Qualitätssicherung bei Audi
Werner Zimmermann leitet seit Oktober 2010 die Qualitätssicherung bei Audi. Im Interview spricht er über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Anforderungen der Kunden an die Qualität von Audi.

Die Berührungspunkte zwischen Fahrer und Auto haben sich im Wortsinn geändert. Welche Bedeutung haben etwa die Touchdisplays im neuen Audi A8?

Zimmermann: Gerade der neue Audi A8 zeigt neben der klassischen Qualitätswelt den Aufbruch in die automobile Zukunft. Der Touchscreen muss vernünftig eingebettet, also Teil des Ganzen sein. Und er muss gut erreichbar sein. Da sind wir schon bei der Bedienlogik: Die muss dem entsprechen, was der Kunde von seinem Smartphone kennt. Das erwartet er, so können wir ihn zufrieden machen. Und wenn man jetzt noch einen oben drauf legt, so wie mit dem haptischen Feedback, dann entsteht aus Zufriedenheit Begeisterung.

Mit welchen digitalen Diensten können Sie den Kunden in Zukunft begeistern?

Zimmermann: Mit Audi connect ist der neue Audi A8 schon heute Symbol der Digitalisierung. In Zukunft werden wir uns zu einem kompetenten Ansprechpartner für digitale Services entwickeln. Zum Beispiel function-on-demand: Das sind Funktionen im Auto, die der Kunde nachträglich per Software-Update aktivieren kann. Beispielsweise eine Lichtfunktion wie Matrix-LED für eine längere Nachtfahrt. Oder intelligente Assistenzfunktionen, die dem Kunden vor, während und nach der Fahrt Arbeit und Zeit sparen. Jeder Audi ist in Zukunft online und hat immer den aktuellsten Softwarestand. Das bedeutet auch, dass wir eventuelle Fehlerbilder „over the air“ auslesen und teilweise sogar beheben können – ohne, dass der Kunde in die Werkstatt muss. Für den Kunden ist das ein Zugewinn an Zeit und Komfort. Und für uns ist es eine Kostenersparnis – also eine Win-Win-Situation.

Infotainmentsystem Audi A8

Ganzheitliche Systembetrachtung statt reiner Bauteilbetrachtung am Beispiel des Infotainmentsystems des Audi A8: Im digitalen Zeitalter setzt Audi auf virtuelle und digitale Methoden.

Woran spürt der Kunde hohe digitale Qualität? Was ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine?

Zimmermann: Der Kunde will sein Smartphone im Auto in vollem Umfang nutzen können. Er will ins Auto kommen, verbunden werden und völlig vernetzt sein. Mit allen Vorzügen, die ihm das Auto bietet: etwa große Monitore, eine Top-Sprachqualität und Lautsprecher für ein musikalisches Erlebnis. Diese Vernetzung wird die Basis für alles weitere sein. Da müssen wir uns überlegen: Wo können wir Akzente setzen?

Was könnte so ein Akzent sein?

Zimmermann: Ein Beispiel ist die Sprachbedienung. Die Steuerung muss möglichst einfach sein. Wenn ich dem Auto sage, ich will zum Flughafen München, dann soll es mich ohne mehrfaches Nachfragen und Bestätigen auf dem schnellsten Weg zum Ziel navigieren. Das Auto wird in Zukunft seinen Besitzer kennen und wissen, was er will. Machine Learning wird uns dabei helfen.

Konkurrenten wie Tesla legen ein hohes Tempo bei der Entwicklung vor. Wie kann Audi da mithalten, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen?

Zimmermann: Ich glaube, wir tun gut daran, uns auf unsere Tugenden zu konzentrieren. Die Maßgabe lautet: Schnell und gründlich. Die Antwort auf die Tesla-Frage werden wir nächstes Jahr geben. Der vollelektrische Audi e-tron wird ein echter Audi sein – in allen Belangen.

Laserscanner Halbleiterlabor Audi A8
Im neuen Audi A8 ist neben den Radarsensoren, einer Frontkamera und den Ultraschallsensoren auch ein Laserscanner integriert. Während der pilotierten Fahrt errechnet ein zentrales Fahrerassistenzsteuergerät (zFAS) mit Hilfe dieser Sensoren permanent ein Abbild der Umgebung.

Welchen Stellenwert hat das Thema Qualitätssicherung bei einem so komplexen Thema wie dem automatisierten Fahren?

Zimmermann: Wir haben beim neuen Audi A8 gesehen, welch komplexe Aufgabe da auf uns zukommt: 500 Fahrzeugfunktionen, etwa 100 vernetzte Steuergeräte, mehr als 12.000 Bus-Signale. Diese neuen Funktionen zuverlässig abzusichern, ist essenziell. Damit haben wir in der Qualitätssicherung längst begonnen und arbeiten dabei sehr gut mit den Kollegen aus der Technischen Entwicklung zusammen. Bei der Zuverlässigkeit von Fahrfunktionen gibt es von unserer Seite aus keinen Millimeter Spielraum.

Wie sieht für Sie ein qualitativ hochwertiger Audi der Zukunft aus?

Zimmermann: Ein Audi muss auch in Zukunft ein besonderes Gesamterlebnis bieten – und das für alle Kunden, in allen Märkten weltweit. Wir müssen die besten digitalen Funktionen für den Kunden zu einem stimmigen Paket schnüren. Der Kunde muss die Zeit im Auto besser nutzen können. Zum Beispiel, um zu arbeiten, sich zu entspannen oder Kontakt zu Freunden und Familie zu haben.

Die Neugierde bei den Kunden auf diese neue Welt wird immer größer.

Zimmermann: Wir haben vorhin über „over the air“-Flashen gesprochen. In Zukunft können wir dem Kunden völlig neue Garantiekonzepte anbieten – also intelligente „Sorglos-Pakete“. Außerdem stellen wir uns vor, sogenannte Third-Party-Apps ins Auto einzubinden, also auch Drittanbietern die Möglichkeit zu geben, Apps speziell für das Auto zu programmieren. So wie es seit Jahren auch für das Smartphone geschieht.

CAR ASYST APP

Apps können auch zum professionellen Diagnosewerkzeug für Werkstätten dienen - so die speziell für Audi entwickelte CAR ASYST APP. Die schnelle Störungs- und Fehleranalyse benötigt keine stationäre Messtechnik und erleichtert so das schnelle Diagnostizieren im Schadensfall.

Wie hat sich Ihr Verständnis von Qualität in den letzten Jahren verändert?

Zimmermann: Ich sage deutlich: Es steht uns ein Paradigmenwechsel bevor. Wir müssen offen an die Dinge herangehen und uns überlegen: Wo liegen die großen strategischen Themen für uns? Sei es in der Software, sei es in den Fahrzeugfunktionen. Mit diesen Dingen befassen wir uns intensiv. Aber ich bin überzeugt, dass die Grundwerte eines qualitativ hochwertigen Premium-Fahrzeugs weiterhin gelten werden.

Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für Audi?

Zimmermann: Dass wir noch mehr Kundenorientierung in unser Unternehmen und in unsere Autos bekommen. Das muss unser Denken und Handeln leiten. Dass wir noch besser verstehen, was der Kunde von uns will. Das ist mein Herzenswunsch.

Qualität in jedem Detail

Getriebesteuergeräte koordinieren und optimieren den Antrieb des Autos und sorgen somit neben optimaler Fahrsicherheit für einen geringeren Kraftstoffverbrauch. Golddrähte von gerade einmal 50 Mikrometer Dicke verbinden die Funktionen des integrierten Schaltkreises mit dem Schaltungsträger aus Keramik. Die ganze Platine ist von einem weichen Silikone überzogen, um die Kontakte vor Feuchtigkeit und anderen Umwelteinflüssen zu schützen.

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Mithilfe des digitalen Meisterbocks können die Qualitätsexperten bis zu zweieinhalb Jahre vor Fertigungsbeginn eines Fahrzeugs am Produktentstehungsprozess teilhaben, sowohl was das Exterieur als auch was das Interieur angeht.

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Die Mitarbeiter der Werkstofftechnik führen vor Beginn der Serienproduktion aufwändige Analysen der CNG-Drucktanks durch um sicherzustellen, dass die Energiespeicher der Audi g-tron-Modelle viele Jahre lang einwandfrei funktionieren.

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Während des Audi Absicherungslaufs, welchen jedes neue Modell vor der Freigabe zur Serienproduktion durchläuft, werden komplexe Messsysteme zur Datenanalyse verwendet: Der Datenlogger wird zu Beginn der Absicherung eingebaut und dort über die gesamte Testphase betrieben. Er sammelt kontinuierlich Fahrzeugdaten - allein für den Audi A8 waren es beispielsweise rund 80 Terrabyte.

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Der Kunde kann beim neuen Audi A8 wahlweise Heckleuchten in OLED-Technologie (OLED: Organic Light Emitting Diode) auswählen. Diese Technologie unterscheidet sich von Punktlichtquellen wie LEDs dadurch, dass sie keine Reflektoren oder Lichtleiter benötigen, sie sind sogenannte Flächenstrahler.

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TechDay Quality
Aus dem Audi MediaCenter

Premiumqualität im digitalen Zeitalter

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Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Audi A8: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,0 – 5,6; CO2-Emission kombiniert in g/km: 182 – 145. Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz. // audi.de/DAT-Hinweis

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