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Lernen von Aufzügen und der Natur

Mit der Urban Tech Republic entsteht in Berlin ein neuer Stadtteil, dem eine direkte Anbindung an das Verkehrssystem der City fehlt. Die Lösung: Ein persönlicher Premium-Nahverkehr, sagt das Berliner Team beim Audi Urban Future Award.

 Künftig heben in Tegel keine Flieger mehr ab, stattdessen wird auf dem Gelände ein Forschungs- und Technologiepark gebaut
Künftig heben in Tegel keine Flieger mehr ab, stattdessen wird auf dem Gelände ein Forschungs- und Technologiepark gebaut
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Mit der Eröffnung des internationalen Flughafens BER im Südosten Berlins wird aus dem Flughafen Berlin Tegel die Urban Tech Republic. Wo heute Flieger abheben, soll ein Forschungs- und Industriepark mit 15.000 Arbeitsplätzen, 5.000 Studenten und 5.500 Einwohnern entstehen – eine Ideenschmiede für urbanes Leben von morgen, ein Berliner Silicon Valley. Doch der Erfolg der Urban Tech Republic wird unter anderem davon abhängen, wie sie von der 15 Autominuten entfernten City aus erreichbar ist und ob es auch vor Ort schnell voran geht.

Beim Audi Urban Future Award 2014 erarbeitet das Berliner Team Lösungen, wie genau das gelingen kann. Bei dem Wettbewerb beschäftigen sich neben den Berlinern drei weitere Teams aus Boston, Mexiko City und Seoul mit konkreten Stadtentwicklungsprojekten. Sie alle gehen von einer These zur urbanen Mobilität der Zukunft aus, die im Rahmen der Audi Urban Future Initiative erarbeitet wurde. Im Rahmen der Initiative beschäftigt sich Audi seit 2010 in Forschung und Dialog mit internen und externen Experten mit der städtischen Mobilität von morgen.

„Mobilität und Immobilität schließen sich nicht aus“, lautet die Ausgangsthese des Berliner Teams. Es geht entsprechend um die Frage, wie das Auto einen erkennbaren Mehrwert für urbane Mobilität schaffen kann. „Das Auto kann mit seinen individuellen Eigenschaften die Lücken im städtischen Mobilitätssystem schließen“, erläutert Audi-Chef Rupert Stadler. „Die individuelle Freiheit des Einzelnen und seine Verantwortung für die Gemeinschaft gehören zusammen.“

Passend zum interdisziplinären Charakter des mit 100.000 Euro dotierten Audi Urban Future Awards trifft im Berliner Team ein Architekt auf einen Biochemiker und einen Aufzugsexperten. „Wenn wir zusammen arbeiten, dann wechseln wir ständig zwischen ,Biosphäre‘ und ,Technosphäre‘“, berichtet Architekt und Stadtplaner Max Schwitalla. „Und dann entsteht manchmal etwas Magisches: Unsere ganz unterschiedlichen Disziplinen verschmelzen momentwiese zu einem neuen Denken.“

Audi Urban Future Award

Das Berliner Team: Paul Friedli, Max Schwitalla und Arndt Pechstein

Die Vision der Berliner ist ein „intermodales Premium-Erlebnis“ – oder bildlich gesprochen: eine Chimäre, ein Hybrid aus individueller und öffentlicher Premium-Mobilität. „Wir müssen uns von dem veralteten Ansatz eines starren Verkehrssystems, in dem die Transportmittel streng voneinander getrennt funktionieren, lösen“, fordert Schwitalla: „Stattdessen brauchen wir ein flexibles und durchlässiges Just-in-Time-System, das sich an Vorbildern der Natur orientiert.“

Hier kommt der Biochemiker im Team ins Spiel: Arndt Pechsteins Spezialgebiet ist Biomimicry. Er betrachtet, was man aus Naturphänomenen für technologische und systemische Innovationen lernen kann. „Mobilität ist keine Erfindung der Moderne“, betont Pechstein, Gründer des Startups Biomimicry Germany: „In der Natur ist alles immerzu in Bewegung und in 3,8 Milliarden Jahren hat die Natur extrem ausgefeilte Systeme entwickelt.“

Eine Inspirationsquelle für das Team ist das menschliche Nervensystem mit seiner Fähigkeit, akuten Belastungen Stand zu halten. „Jede einzelne Zelle transportiert ständig Nährstoffe und andere Materialien in winzige Bläschen verpackt quer durch unseren gesamten Körper“, sagt Pechstein. „Alles passiert innerhalb von Millisekunden – Ausfälle und Staus hätten fatale Folgen.“

Mit Stauprävention der etwas anderen Art beschäftigt sich auch Paul Friedli, Innovationsbeauftragter des Aufzugherstellers Schindler und drittes Mitglied im Berliner Team. Das Schweizer Unternehmen liefert innovative Steuerungstechnologie, die dank komplexer Algorithmen für Aufzugpassagiere die perfekte Route berechnet. In Wolkenkratzern wählen die Nutzer ihre Wunschetagen und werden dann so auf die Aufzüge verteilt, dass alle möglichst schnell am Ziel sind.

Dieses Prinzip will das Berliner Team nun von der Vertikalen auf die Horizontale übertragen, also auf die Straße bringen. Bloß wissen Mobilitätsplaner dazu bisher noch zu wenig über die Fahrziele der Menschen. „Erst wenn wir genügend Bewegungsdaten in die Cloud bringen, um vorherzusagen, wohin die Leute wollen, dann können wir auch die jeweiligen Transportmittel in Echtzeit bereitstellen“, sagt Innovationsexperte Friedli, der unter anderem am Bostoner MIT und mit der NASA geforscht hat.

Audi Urban Future Award

Die Berliner wollen die Grenzen zwischen individuellem und öffentlichem Verkehr überwinden

Was in den Städten bisher besonders viel Zeit frisst, sind die Übergänge zwischen Verkehrsmitteln und die so genannte letzte Meile, wenn sich die Menschen von den großen Verkehrsströmen lösen und ihre individuellen Ziele ansteuern. Diese letzte Meile wird auch in der Urban Tech Republic zur Herausforderung. Denn hier wollen künftig nicht mehr alle wie bisher zum Flughafen, sondern in ihre Wohnungen, Büros oder Seminarräume. Ein Lösungsansatz der Berliner: „Kleine selbstfahrende Fahrzeuge könnten Bewohner und Besucher komfortabel und CO2-neutral zum Ziel bringen“, sagt Architekt Schwitalla.

Im Just-in-Time System der Berliner würden die Grenzen zwischen individuellem und kollektivem Transport aufgeweicht. „Das Auto vernetzt sich mit anderen Verkehrsmitteln und wird synergetischer Teil einer ,living mobility’“, sagt Schwitalla. Technologien wie die Car-to-X-Kommunikation von Audi weisen hier schon heute den Weg in die Zukunft. Beispiel Parkplatzsuche, die in manchen Stadtteilen Berlins ein Drittel des Verkehrsaufkommens ausmacht: Das Auto nimmt Kontakt mit dem Parkplatz auf und lotst den Fahrer in die nächste Lücke. Gleichzeitig zeigt es an, wo ein City-Bike steht oder wann die Straßenbahn fährt. Wenn das Auto Teil eines vernetzten Systems wird, fällt auch der Ticketverkauf weg. Das spart Zeit – ein Charakteristikum künftiger Premium-Angebote.

Noch bis zum Herbst arbeitet das Team seine Ideen aus. Dann entscheidet die international besetzte Jury des Audi Urban Future Awards, welches der vier Konzepte aus Berlin, Boston, Mexiko City und Seoul am meisten Potential hat, die urbane Mobilität der Zukunft mit zu gestalten.

Im Rahmen unserer Serie zum Audi Urban Future Award stellen wir Ihnen in den kommenden Wochen die Teams und ihre Projekte ausführlich vor. Weitere Informationen finden Sie unter audi-urban-future.com sowie auf Twitter unter dem Hashtag #AudiUrbanFuture.

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