Aus unserem Archiv:

Design-Ikonen zu Gast

Was macht gutes Design aus? Eine Ausstellung in Neckarsulm zeigt „Design Ikonen" und ist der Auftakt der Kooperation mit der Pinakothek der Moderne: Die Werke stammen aus der Neuen Sammlung des internationalen Design Museums in München.

 Die
Die "Design Ikonen" aus der Neuen Sammlung in München zu Gast bei Audi
Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Ein Stuhl ist ein Stuhl, ein Tisch ein Tisch und ein Regal ein Regal. Eigentlich ganz einfach, oder? Wer sich vom Gegenteil überzeugen will, kann das seit Donnerstagabend im Audi Forum Neckarsulm tun. Die Möbel, die sich dem Betrachter dort im zweiten Obergeschoss präsentieren, gleichen sich oftmals in ihrer Funktion. In ihrer Gestaltung unterscheiden sie sich hingegen umso mehr, sind Vorbilder, stehen stilprägend für eine ganze Reihe von Nachfolgeprodukten.

Zum Beispiel die beiden dunkelbraunen Stühle des Tischlers Michael Thonet aus dem Rheinland: Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals aus gebogenem Holz hergestellt, finden sich Nachahmer bis heute in vielen Restaurants, Eisdielen, Bistros oder daheim. Der Stuhl „Modell Nr. 14“ wurde gar zum meist produzierten Sitzmöbel der Welt. Einige Jahrzehnte später, 1925, setzte Marcel Breuer die Idee Thonets fort, indem er einen Sessel geformt aus Stahlrohr entwarf – den ersten, der je in Serie produziert wurde.

Noch heute laden die Nachfahren von „Sessel B3 Wassily“ etwa in Büros und Arztpraxen zum Sitzen ein. „Diese Objekte wurden zu Ikonen, weil sie sich weltweit durchgesetzt haben, Teil des kollektiven Gedächtnisses und Teil unseres Lebens geworden sind und dieses bereichern“, erklärt Florian Hufnagl, seit 23 Jahren Direktor der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich in der Pinakothek der Moderne.

Die am Donnerstagabend von Hufnagl und Audi-Produktionsvorstand Frank Dreves in Neckarsulm eröffnete Ausstellung „Design Ikonen“ bildet den Auftakt der Kooperation „Pinakothek der Moderne zu Gast bei Audi“. Während das Museumsgebäude in München wegen Renovierungsarbeiten geschlossen bleibt, präsentieren sich die Werke der vier zugehörigen Museen in einem temporären Bau, der von Audi unterstützen „Schaustelle“. Quasi als Satellit gastieren nun neun Möbelstücke der Neuen Sammlung im Audi Forum Neckarsulm.

Dort, wo normalerweise traditionsreiche Automobile den Besucher empfangen, stehen nun die Ausstellungsobjekte aus unterschiedlichen Epochen. „Man kann an Möbeln gut die Designgeschichte erzählen“, erklärt Corinna Rösner von der Neuen Sammlung die Auswahl der Gegenstände. „Design ist untrennbar mit dem Thema industrielle Produktion verbunden. Alles andere nennt man Kunst oder Handwerk“, ergänzt Hufnagl.

Will heißen: Hinter jedem Ausstellungsstück steckt neben der bloßen Idee eine Menge ausgeklügelter technischer Entwicklungen, die man dem Endprodukt nicht mehr ansieht. So entstanden die gebogenen Stahlrohre von Breuers Sessel Dank Know-how aus der Gasleitungsproduktion. Der „Cinderella Table“ des Niederländers Jeroen Verhoeven hätte ohne Einsatz eines Computers weder entworfen noch hergestellt werden können. Spezielle Sägen formten die 57 Einzelteile auf Grundlage virtueller Entwürfe. Zusammengesetzt wurden die Sperrholz-Elemente dann von Hand.

Desing Ikonen

Frank Dreves (links) betrachtet mit weiteren Besuchern die Ausstellungsstücke

Seiner Zeit voraus war auch der Sessel „La Mamma“ des italienischen Architekten Gaetano Pesce. Für seinen großzügig dimensionierten, knallroten Entwurf kam ein neues Verfahren zur Herstellung großer formgeschäumter Teile zum Einsatz. Der Clou: Für den bequemen Transport wurde das Möbel in einer Vakuumkammer auf zehn Prozent des Volumens geschrumpft. Beim Auspacken entfaltete es sich dann vor den Augen des stolzen Besitzers wieder zu voller Größe.

Ganz bewusst haben die Macher keine Automobil-Ikonen in die Ausstellung aufgenommen, um nicht „Eulen nach Athen zu tragen“. Wohl aber bediente sich Florian Hufnagl in seiner Eröffnungsrede eines Vergleichs mit der Autowelt: Concept Cars, so meint er, seien Prototypen, welche die Richtung einer Marke für die nächsten Jahrzehnte bestimmen und Produkte prägen können. Genauso, wie die in Neckarsulm gezeigten Ausstellungsobjekte in ihrem Bereich Maßstäbe gesetzt haben. So meinte dann auch Frank Dreves: „Die Design Ikonen der Neuen Sammlung passen sehr gut an diesen Standort und sind eine spannende Bereicherung für unsere Besucher im Audi Forum.“

Die Ausstellung „Design Ikonen“ ist noch bis Ende Juni montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 17 Uhr im Audi Forum Neckarsulm zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Design Ikonen
Design Ikonen
Design Ikonen

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.