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Millionärskuppler trifft Schlussmacher

Den Traumpartner für 8.000 Euro oder die Trennung ab 49 Euro? Hans-Paul Schermer und Stefan Eiben haben für jede Lebens- und Liebenssituation das passende Angebot. Der eine ist Millionärskuppler, der andere Schlussmacher.

 Moderatorin Dorothea Joos im Gespräch mit Schlussmacher Stefan Eiben und Millionärskuppler Hans-Paul Schermer
Moderatorin Dorothea Joos im Gespräch mit Schlussmacher Stefan Eiben und Millionärskuppler Hans-Paul Schermer
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„Die Herren sind pflegeleichter“, sagt Hans-Paul Schermer. „Sie wünschen sich oft einfach eine gescheite, hübsche Frau.“ Bei den Damen dürfe der Partner gern finanziell besser gestellt sein als man selbst. Keine leichte Aufgabe für den Millionärskuppler, kommen doch seine Kundinnen und Kunden ohnehin aus bestem Hause. Nach oben wird die Luft bekanntlich dünn. Doch Schermer hat in den vergangenen 30 Jahren immer wieder die Richtigen gefunden. Sein Erfolgsrezept: „Ich nehme meine Kunden ernst. Was ich mache, ist kein Spiel.“

Beim Audi.torium im Audi Forum Ingolstadt berichtet der ehemalige Metzger von seinem Weg nach oben. Angefangen hat alles zu Beginn der 80er Jahre. Schermer schaltete eine Anzeige: „Netter Typ mit Bernhardiner sucht“. Ein Haufen Zuschriften flatterten ihm ins Haus. „Das muss ein Geschäftsmodell sein“, dachte sich Schermer.

Wer in Schermers Kartei will, muss mindestens 8.000 Euro auf den Tisch legen – in den besten Zeiten waren es 25.000 Franken. Mit seinen Kunden verbindet der Heiratsvermittler viele schöne Erfahrungen. „Eine Reihe von Paaren, die ich vor 20 Jahren zusammengeführt habe, rufen mich noch heute an“, berichtet Schermer. Er hat aber auch manch Skurriles erlebt. Zum Beispiel mit dem Millionär aus Zürich, für den die Dame aus München eingeflogen wurde. Gemeinsamer Shopping-Ausflug, Schmuckgeschenke, dann die Enttäuschung: Die Dame transpiriere stark, so das Urteil des Millionärs.

Audi.torium Millionärskuppler

Volles Haus im Audi Forum Ingolstadt

Oder die Sache mit dem Hotelierssohn: Zwischen ihm – „Hose bis zu den Knien hängend, ungeputzte Schuhe und fettige Haare“ – und ihr – zeitweise als Model tätig – lief es blendend. Bis zum Tag der Hochzeit. Kaum war das Jawort gesprochen, bat der Vater der Braut darum, doch nun direkt das Hotel auf die Kinder zu überschreiben. „Schluss“, rief der Vater des Bräutigams und die Party war vorbei.

Wenn die Familie ins Spiel kommt, wird es interessant, sagt Schermer. Mitunter kämen Eltern direkt auf ihn zu: „Mein Sohn muss jemanden kennenlernen, es wird höchste Zeit.“ Ein Kunde brachte gleich ein paar Magazinausschnitte mit Damen mit, die ihm gefallen. Im Grunde aber gehe es den Reichen wie den Armen: Jeder habe die Hoffnung, den oder die Richtige zu finden, meint der Millionärskuppler.

Sollte sich der oder die einst Auserwählte nicht als Traumpartner erweisen, kommt Stefan Eiben ins Spiel: Als Schlussmacher beendet er für seine Klienten Beziehungen. Die einfache, telefonische Trennung beginnt ab 49 Euro. Buchbar ist auch die Lösung mit Pralinen, Gutschein für eine Single-Agentur oder einem Abholservice für Kleidung, die noch beim Partner liegt.

Audi.torium Millionärskuppler

Hans-Paul Schermer: „Ich nehme meine Kunden ernst. Was ich mache, ist kein Spiel.“

„Sind wir heute zu feige, um bittere Wahrheiten selbst auszusprechen?“, fragt Moderatorin Dorothea Joos. Nein, sagt Eiben, seine Kunden seien vielmehr häufig verzweifelt. Es gebe Partnerinnen und Partner, die eine Trennung nicht akzeptieren und Druck ausüben. „Hier kann ein Dritter vermitteln“, sagt der Schlussmacher.

Neben Trennungen bietet Eiben auch Alibis an. Er und die Firmen, mit denen er zusammenarbeitet, verschicken zum Beispiel fingierte Seminareinladungen. Diese findet der Partner oder die Partnerin des Kunden im Briefkasten. Während die Fortbildung vermeintlich stattfindet, kann der Partner beim Seminaranbieter anrufen und eine Nachricht hinterlassen. Diese übermitteln Eibens Mitarbeiter an seinen Kunden. „Er kann dann zurückrufen und fragen: ,Schatz, es ist gerade Seminarpause, was gibt es Dringendes?‘“, berichtet der Alibi-Vermittler.

Die Idee, eine Alibi-Agentur zu eröffnen, kam Eiben aus einer Laune heraus. Er war mit zwei Freunden verabredet, die beide absagten, weil ihre Partnerinnen sie zu Hause haben wollen. Für so etwas müsste es eine Lösung geben, fand Eiben. Hat er bei all den Trennungen und Alibis keine Gewissensbisse? Nein, sagt er, moralisch verwerflich sei vielmehr, in einer Beziehung leben zu müssen, aus der man nicht herauskommt. Und im besten Fall gelte: „Aus einem unglücklichen Paar werden zwei glückliche Singles.“ Für alle, die eine Beziehung lieber selbst beenden wollen, hat Eiben einen Tipp: Klar und deutlich sein, keine Hintertüren offen lassen. „Sonst macht sich der Partner weiter Hoffnungen und Sie stehlen ihm die Zeit.“

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