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Stadler hält Vorlesung in Oxford

An der ehrwürdigen University of Oxford hat Audi-Chef Rupert Stadler seine Vision von der Mobilität der Zukunft skizziert - das Auto wird der Treiber unserer digitalen Welt werden. Blog-Autorin Mira Dechant hat sich unter das Publikum gemischt.

 Rupert Stadler auf dem Weg zur Vorlesung ins T.S. Eliot Lecture Theatre der Universit of Oxford.
Rupert Stadler auf dem Weg zur Vorlesung ins T.S. Eliot Lecture Theatre der Universit of Oxford.
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Als Harry Potter die heiligen Hallen des Christ Church College – auch bekannt als „Hogwarts“ – betrat, war mit Sicherheit der erste Zauberspruch, den er zu lernen hatte: “I’m a member of the House”. Denn erst diese Formel öffnet dir Türen und Tore. Mein Glück, dass ich einen echten Magier an meiner Seite habe, als ich mich auf den Weg zum Vortrag von Rupert Stadler mache. Driving the Digital Age – ein Ausblick auf die Mobilität der Zukunft erwartet uns. Unter dem strengen Blick des „Porter“ passieren wir das steinerne Tor des Tom Tower. Schwarzer Frack, schwarze Melone, dicke graue Augenbrauen. Very British. Der Wächter der altehrwürdigen Universität Oxford könnte direkt dem Potter-Film entsprungen sein.

Franz Potter holt die Größen zum Stelldichein nach Oxford

Mein Magier heißt Franz, ist 25 Jahre alt, schreibt gerade seinen Doktor in Mathematik – und ist Mitglied des elitären Studenten-Zirkels am Christ Church College. Wer ihn abends in schwarzer Robe im Speisesaal sitzen sieht, den wir alle aus dem Film kennen, könnte sich an den Hauptcharakter des Bestsellers erinnert fühlen: dunkle Wuschelhaare, sehr korrekte Brille und ein spitzbübisches Lächeln. Der große Unterschied ist wohl, dass Franz keinen Besen reitet. Und dass er mehr Plan davon hat, wann man wo was mit wem und vor allem wie organisieren muss, als es der kleine Harry je zustande bringen könnte. Franz ist auch der Grund, der mich nach Oxford geführt hat. Oder besser gesagt: Dessen German Society Rupert Stadler am 7. Mai für einen Vortrag an die Oxford Universität geladen hat. Als gebürtiger Passauer ist Franz Mitglied in dem Club, der gerne die Größen aus Wirtschaft, Politik und Kultur zum Stelldichein holt.

Driving the Digital Age

Rupert Stadler beschreibt in seiner Vorlesung "Driving the Digital Age", die Mobilität der Zukunft.

 

Heute Abend gehört die Bühne des T.S. Eliot Lecture Theatre den Vier Ringen. Die Studenten tröpfeln nach und nach in den Saal – die deutsche Pünktlichkeit hat die German Society noch nicht ganz nach Oxford bringen können. Doch als Herr Stadler schließlich mit seiner Entourage aus Journalisten und Pressesprechern in den Saal kommt, sind die Ränge gut gefüllt. Das Lärmen weicht in Sekundenschnelle einer angespannten Stille. Die Studis sind neugierig, was sie heute zu hören bekommen. „With the polls in progress, it’s the perfect time to talk about the future. About mobility in the digital age.”

Als Stadler mit seiner Vorlesung beginnt, sind die Wahllokale im United Kingdom gerade noch drei Stunden geöffnet. Die Briten erwarten den knappsten Ausgang seit Jahrzehnten. Das Ergebnis ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig ungewiss. Im Gegensatz dazu sind die Zukunftsbilder, die Stadler hier in Oxford zeichnet, bestechend klar. Er wirft Gedankenspiele in den Raum, provoziert: Wer brauche heute überhaupt noch ein Auto? Die meisten Bewegungen fänden doch im virtuellen Raum statt. Stichwort Shopping: Mit nur einem Klick ist man in seinem Lieblings-Online-Shop – und muss sich zum Bezahlen nicht einmal anstellen! Ob das Auto im digitalen Zeitalter vom Aussterben bedroht sei, fragt er den Saal – und entschuldigt sich im selben Atemzug für diese offensichtlich rhetorische Frage.

Das Automobil wird unser Leben verändern

Ganz im Gegenteil: Stadler nennt das Automobil „the next big driver in our digital world“ – das Automobil als Impulsgeber disruptiver Entwicklungen. Das vernetzte Auto läute einen Wandel ein, der nicht nur die individuelle Mobilität verändere, so der Vorstandsvorsitzende von Audi. Es verändere auch die Art und Weise, wo, wann und wie wir leben – und zusammenleben. Ob als Mobile Office oder Rückzugsort für einen kurzen Video-Chat mit der Familie – das connected car gibt uns schon heute größte Flexibilität.

Die Technologie des pilotierten Fahrens wird den Fahrer darüber hinaus zum Souverän über seine Fahrzeit machen. In der anschließenden Fragerunde merkt man schnell, welches Thema die jungen Leute am meisten fesselt: Autos, die miteinander kommunizieren, die lernen und die ihr Wissen teilen. Eine Infrastruktur, die freie Parkplätze empfiehlt und den Verkehr koordiniert. Daten, die uns schneller reisen lassen – in unserem Auto oder auch im öffentlichen Verkehr. Wie soll das alles in Zukunft funktionieren?

Audi ist „the sexiest car“

Ein Student bringt es auf den Punkt. Mit Referenz auf ein Statement von Herrn Stadler, dass der Wettbewerb sich in Zukunft noch verschärfe, stellt er die Frage: „So is the future more about competition – or about cooperation?“ Stadler kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Der junge Mann hat den Widerspruch der automobilen Zukunft treffend formuliert. „Wir erleben gerade einen sehr spannenden Umbruch“, leitet Stadler seine Antwort ein. „In dieser Zukunft wird es beides geben: Neue Wettbewerber und neue Geschäftsmodelle, die eben erst mit diesen Wettbewerbern funktionieren.“ Audi setze auf eine starke Marke, um in diesem Rennen die Nase vorn zu haben. Audi setze auf „the sexiest car you can buy“.

Driving the Digital Age

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der AUDI AG, zu Gast an der University of Oxford.

 

Die komplette Rede von Rupert Stadler an der University of Oxford können Sie sich auf Scribd herunterladen.

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