Die Moral der Mobilität

MQ! Innovation Summit 2018: Wie werden Mensch und Maschine zusammen leben?

Die Mobilität der Zukunft. Ein komplexes Thema, viele Facetten. Auf dem Audi MQ! Innovation Summit haben prominente Vordenker, Querdenker und Visionäre ihre Vorstellungen mit uns geteilt und hinterfragt. Wir zoomen hinein in die Stadt der Zukunft:

Dr. Larissa Suzuki
Larissa Suzuki ist eine preisgekrönte Informatikerin und Ingenieurin. Sie arbeitet unter anderem an Lösungen und neuen Technologien für künftige Smart Cities.

Jeden Tag ziehen weltweit knapp 180.000 Menschen in Städte. Um dieses Bevölkerungswachstum zu bewerkstelligen, müssen Städte nachhaltiger und effizienter werden. Doch wie? Durch Vernetzung  wenn man Larissa Suzuki fragt. Die Informatikerin und Datenanalystin forscht am University College in London und untersucht die Stadt der Zukunft. Im Szenario einer Smart City würde ein Netz aus Fahrzeugen, Ampeln und Verkehrsteilnehmern entstehen, die nahtlos miteinander kommunizieren, interagieren und in Echtzeit Daten austauschen.

Daten ermöglichen soziale Integration

Intelligente und vernetzte Städte könnten dabei helfen, Mobilität zugänglich für jeden in der Gesellschaft zu machen. Denn erst durch die gesammelten Daten der vernetzten Stadt werden viele Herausforderungen erkenntlich. „Eine Stadt ist keine Smart City, wenn sie nur einem Teil der Gesellschaft dient”, erläutert Suzuki ihre Auffassung einer sozialen Mobilität. Wie kann eine Stadt also den Bedürfnissen blinder Menschen gerecht werden? Oder derer von Rollstuhlfahrern oder Senioren?

Die Keynote-Sprecherin Larissa Suzuki während ihrer Rede beim MQ! Innovation Summit: „Maschinen werden uns Menschen nicht ersetzen.“

Es entstehen digitale Lösungen: Technologien, die soziale Integration ermöglichen. Zum Beispiel gibt es schon heute Apps, die blinden Menschen bei der Navigation durch die Stadt helfen. Ein Navigationssystem für Fußgänger, das über Tonaufnahmen die Umwelt beschreibt, Richtungsanweisungen gibt und in Echtzeit Verkehrsinformationen übermittelt.

Damit das möglich ist, müssen Prozesse automatisiert werden – bis zu einem Punkt, an dem Maschinen sich selbst steuern. So kommunizieren auch autonome Autos in den Smart Cities der Zukunft untereinander und schaffen neue Möglichkeiten der Mobilität.

"Maschinen werden niemals Menschen ersetzen"

Larissa Suzuki, Informatikerin und Smart Cities Ingenieurin

Die künstliche Generierung von Wissen habe aber ihre Grenzen. „Wir werden niemals die Intention von Menschen verstehen“, erklärt Suzuki. Eine standardisierte künstliche Intelligenz für autonome Fahrzeuge werde es daher nicht geben können. Manche Entscheidungen müssten schlichtweg vom inneren menschlichen System getroffen werden: dem Gewissen. Die menschliche Gewissensbildung sei ein hoch komplexer Vorgang beruhend auf den individuellen Wahrnehmungen und Werten einer Person. „Das können wir keiner Maschine diktieren. Wir sind so einzigartig, dass Maschinen niemals Menschen ersetzen werden“, macht Suzuki deutlich.

Dahingegen sieht der Science-Fiction Autor Cory Doctorow das Potential autonomen Fahrens: „Nur weil etwas wirklich schwierig ist, heißt das nicht, dass es nicht nötig ist.“ In seiner Vision zukünftiger Mobilität nehmen autonome Autos auf Basis einer standardisierten Künstlichen Intelligenz eine zentrale Position ein – um den Verkehr sicherer zu machen. Sicherheit müsse aber auch ein hohes Maß an Transparenz beinhalten. Doctorow erklärt: „Zurzeit sind wir an einem Punkt, an dem man selbst nicht die Möglichkeit hat, die Konfigurationen der Automobilhersteller in einem autonomen Fahrzeug nachzuvollziehen – das macht mir Angst.“

Science-Fiction Autor Cory Doctorow
"Die digitale Welt ist der Ort, an dem wir uns den Problemen der Zukunft stellen werden", beeindruckte Cory Doctorow auf dem Audi MQ! Innovation Summit 2018.

Audi Workshop schärft Bewusstsein

Mit dem Verhältnis von Mensch und Maschine beim automatisierten und autonomen Fahren beschäftigte sich beim MQ! Summit auch ein Workshop von Audi und dem Start-Up Autonomous Intelligent Driving. Audi setzt sich bereits seit Jahren mit ethischen Fragen zum autonomen Fahren auseinander und hat dazu im Rahmen der beyond Initiative ein interdisziplinäres Netzwerk mit internationalen KI-Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft aufgebaut. In der öffentlichen Debatte spielen die sogenannten Dilemma-Situationen eine zentrale Rolle. Dabei geht es zum Beispiel um folgendes Szenario: Das autonome Auto befindet sich in einer Situation, in der ein Unfall unausweichlich ist. Steuert es nach links, wird ein Kind getötet. Steuert es nach rechts, wird eine ältere Dame getroffen. Wie soll das autonome Auto entscheiden?

Workshop beim MQ! Innovation Summit

In den 12 Workspaces diskutierten unsere MQ!-Teilnehmer die Zukunft der Mobilität aus verschiedenen Perspektiven und nahmen Kontakt mit Experten von Audi sowie aus anderen Unternehmen, Branchen und Ländern auf.

Einige Kernthesen beim MQ! Workshop zu diesem Thema: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Dilemma-Situation in dieser Form eintritt“, sagte Miklos Kiss, Leiter Vorentwicklung automatisiertes Fahren bei Audi. Für den Fall, dass sie aber doch so eintritt, bräuchten die Automobilhersteller Guidelines. „Darüber hinaus nehmen wir die Dilemma-Debatte auch zum Anlass, uns mit weiteren Situationen zu beschäftigen, in denen das Auto in Zukunft vor schwierigen Entscheidungen stehen könnte“, sagte Kiss beim MQ! und führt weiter aus: „Zum Beispiel: Was, wenn links ein Gartenzaun ist, bei dem man nicht weiß, was dahinter ist? Darf das autonome Auto dorthin steuern?“

Audi, Autonomous Intelligent Driving und die beyond Initiative nehmen die Impulse vom MQ! Summit mit in ihre praktische Arbeit. Ziel ist dabei, die offenen Fragen ernst zu nehmen – ohne dabei das große Potenzial der neuen Technologien aus dem Blick zu verlieren. Denn: Autonomes Fahren kann den Verkehr auf den Straßen deutlich sicherer machen.

Das war der Audi MQ! Innovation Summit 2018

700 Teilnehmer. 12 Workspaces. 11 Keynote-Sprecher. 3 Podiumsdiskussionen. 2 Tage. 1 Ziel: Definition und Festlegung eines Mobilitätsquotienten.

Im Fokus des MQ! Innovation Summits: Wie definiert man einen „Mobilitätsquotienten“ (MQ) als Messgröße für die Mobilität einer Person oder Organisation.

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Bei den Workspaces konzentrierte man sich auf vier Dimensionen der Mobilität: soziale, räumliche, zeitliche und nachhaltige Mobilität.

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Kleine Denkpause für die Teilnehmer des Audi MQ! Innovation Summit.

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Audi holt Vordenker zum MQ! Innovation Summit
Aus dem Audi MediaCenter

Audi holt Vordenker zum MQ! Innovation Summit

Künstliche Intelligenz, Virtual Reality, autonome Autos und Elektromobilität: Das sind die zentralen Themen des MQ! Innovation Summit von Audi, der am 8. und 9. November stattfindet. Rund 700 Vordenker, darunter Apple-Mitgründer Steve Wozniak, treffen sich in Ingolstadt, um einen „Mobilitätsquotienten“ (MQ) als Messgröße für die Mobilität einer Person oder Organisation zu diskutieren.

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