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Pflanzen als Umweltdedektive

Mehr als eine halbe Million Autos sind im vergangenen Jahr in Ingolstadt produziert worden. Die Folgen auf die Natur werden von Audi im Rahmen eines Biomonitoring-Projekts genau überwacht – sogar mit der Hilfe von Tomaten und Gräsern.

 Antje Arnold betreut das Biomonitoring auf den Dächern der Audi-Werksanlagen
Antje Arnold betreut das Biomonitoring auf den Dächern der Audi-Werksanlagen
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Was haben Tomaten, Buschbohnen und Kapuzinerkresse mit den Emissionen eines Autowerks zu tun? Auf den ersten Blick eigentlich gar nichts. Beim zweiten Mal hinschauen dafür eine Menge: Das Audi Werk in Ingolstadt grenzt an die Stadt und ist nur wenige Kilometer von den naturgeschützten Donauauen entfernt. Diese Lage bringt besondere Anforderungen an den Umgang mit Emissionen mit sich.

Um die Auswirkungen des Standorts zu analysieren, setzt Audi seit 2010 Gemüse, Kräuter und Gräser als Biomonitor ein. Als Biomonitoring wird das Beobachten und Messen von Pflanzen und Tieren bezeichnet. Die ermittelten Veränderungen bei Zustand und Bestand sollen dann Rückschlüsse auf die Umweltqualität ermöglichen.

„Wir haben die Pflanzen sozusagen als Detektive eingestellt“, beschreibt Antje Arnold vom betrieblichen Umweltschutz der AUDI AG das Projekt Biomonitoring. Einige Sorten reagieren empfindlich auf Lacklösemittel, Gräser wiederum nehmen gut Metalle auf. So können die Auswirkungen möglicher Schadstoffe nicht nur gemessen, sondern auch sichtbar gemacht werden. Mit dem Projekt erfüllt Audi das Abkommen der „Business and Biodiversity Initiative“: Über 40 Unternehmen haben sich darin verpflichtet, die Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten auf die biologische Artenvielfalt zu analysieren.

Insgesamt 19.000 Untersuchungen

Arnold und der Agrarbiologe Reinhard Kostka-Rick haben dafür über 130 Pflanzen auf dem Werksgelände verteilt. Die wurden anschließend regelmäßig unter die Lupe genommen und die Schädigungen – etwa Entfärbungen oder eine schnellere Alterung der Blätter – beurteilt. Insgesamt 19.000 Untersuchungen hat Kostka-Rick ausgewertet.

Die Ergebnisse bestätigen, was 2009 bereits in einer Umweltverträglichkeitsstudie berechnet wurde. „Wir haben für die Lacklösemittel im Bereich der Lackiererei einen etwas höheren Einfluss auf die Blattstruktur im Vergleich zum Referenzpunkt nachgewiesen“, berichtet Arnold. „Gleichzeitig liegen sie jedoch auf dem Niveau, das für Verkehrsstandorte typisch ist.“ Von den 16 untersuchten Metallen, die hauptsächlich aus dem Karosseriebau und der mechanischen Fertigung stammen, traten nur fünf in leicht erhöhtem Gehalt auf, bewegen sich aber noch innerhalb der Grenzwerte.

Ein Ergebnis, das den Einsatz umweltfreundlicher Technologien widerspiegelt. So kommen bei Audi Staubfilter zum Einsatz, die die Abluft aus dem Karosseriebau reinigen. Außerdem setzt das Unternehmen Lacke auf Wasserbasis ein: Die enthalten nicht nur weniger Lösemittel, einen Teil dieser Schadstoffe macht zudem eine thermische Nachverbrennungsanlage unschädlich. Und die Tomaten und Buschbohnen überprüfen als Pflanzen-Detektive, dass davon auch wirklich nicht mehr als erlaubt in die Umwelt gelangt.

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Geraldine Göllner

9. October 2012 um 11:49
Das ist ein sehr interessantes Projekt. Ist eine Ausbreitung auf andere Standorte geplant oder werden nur die gewonnen Erkenntnisse übertragen?

Britta Meyer

11. October 2012 um 12:11
Derzeit ist keine Ausweitung auf andere Standorte geplant, bis zu einem gewissen Grad kann man die Ergebnisse allerdings übertragen.