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Präzisionsarbeit am Meisterbock

Neun Monate vor Anlauf der Serienproduktion eines Audi beginnt die heiße Phase am Meisterbock. Die Experten der Vier Ringe geben jedem Bauteil den letzten Schliff – und garantieren damit allerhöchste Qualität. So auch beim neuen Audi A4.

 Fingerspitzengefühl: Neben aller Messtechnik verlassen sich die Experten auch auf Ihre Hände.
Fingerspitzengefühl: Neben aller Messtechnik verlassen sich die Experten auch auf Ihre Hände.
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Zusammen mit Markus Rupp, dem Leiter der Audi Qualitätssicherung Meisterböcke und Messtechnik, laufe ich durch lange Gänge. Wir biegen links ab, dann weiter geradeaus. Immer tiefer arbeiten wir uns ins Gebäude auf dem Werkgelände in Ingolstadt vor. Eine letzte schwere Türe, zu öffnen nur mit einem Sonderausweis. „Willkommen im Herzstück der Qualitätssicherung, dem Meisterbock“, sagt Rupp und lässt mir den Vortritt. Ich kneife die Augen zusammen, es ist ungewöhnlich hell. Verteilt in der Halle sehe ich massive Stahlkonstruktionen auf denen einzelne Karosserieteile des neuen Audi A4 stehen. Bunt beklebt mit kleinen Punkten und übersät mit Zahlen, Markierungen und Strichen. Was es damit auf sich hat, werde ich später erfahren.

Qualitätssicherung

„Neun Monate bevor die Serienfertigung beginnt, geben wir den einzelnen Fahrzeugteilen den letzten Schliff“, sagt Rupp und führt mich durch die Halle, vorbei an Stoßfängern, Scheinwerfern und Karosserien inklusive vollausgestattetem Interieur. Schnell wird mir bewusst, dass es diesen einen Meisterbock so nicht gibt. Der Unterboden steht im Fügemeisterbock auf dem Prüfstand, die Karosserie mit allen Anbauteilen kommt im Außenmeisterbock unter die Lupe und der Innenraum wird von den Experten im Innenmeisterbock begutachtet.

„In den einzelnen Böcken erfassen wir das Fahrzeug in jedem Detail, messen alles ganz genau aus. Damit prüfen wir zum Beispiel, ob der Fugenverlauf des Singleframes den Vorgaben entspricht und gleichmäßig verläuft oder ob die Anmutung im Innenraum stimmt.“ Keine leichte Aufgabe für Rupp und seine Mitarbeiter – jeder Audi besteht aus rund 12.000 Komponenten. Zusammengefasst ist der Meisterbock die entscheidende Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis, der finale Abgleich zwischen den zugrunde liegenden Designgrafiken und den tatsächlichen Bauteilen.

Meisterbock

Abgleich: Die Experten finden selbst kleinste Abweichungen vom Optimalwert.

 

Es ist eine Arbeit, die jahrelange Erfahrung voraussetzt und ein bedingungsloses Detailinteresse für Perfektion verlangt. „Fünfe gerade sein lassen oder ,passt schon irgendwie‘ gibt es bei uns nicht“, sagt Markus Rupp. „Mit unserer Arbeit garantieren wir, dass zu Beginn der Serienproduktion jeder Audi unseren Qualitätsansprüchen gerecht wird.“ So auch am Beispiel des neuen Audi A4. Am Fügemeisterbock wartet Nicolas Lotze, Leiter des Außenmeisterbocks, bereits auf uns. Vor ihm der Unterboden der A4 Limousine. Die einzelnen Komponenten sind lose aneinander gefügt. „Schon bei der Bodengruppe muss die Basis stimmen. Kleinste Ungereimtheiten zeigen sich sonst als Auswirkung in der fertigen Karosserie“, sagt Lotze. „Fällt uns hier auf, dass etwas nicht perfekt passt, dann können wir es am Fügemeisterbock gemeinsam mit unseren Prozesspartnern besprechen und verbessern.“

Mit Nicolas Lotze setze ich meinen Rundgang fort. Er klärt mich auf: „Unsere Arbeit ist wichtig, da sich ein reales Bauteil anders als in der Theorie verhält. Auch wenn noch so viele Simulationen am Computer erstellt werden, das Zusammenspiel aller Teile zeigt sich in Gänze erst im Meisterbock.“

Qualitätssicherung sehr akribisch

Ich gehe näher an die Karosserie heran, fahre mit der Hand über Rückleuten und Stoßfänger. „Y gleich 0,8 Millimeter“, „1,1 Millimeter“, „Umriss-Delta 0,4 Millimeter“, lese ich da. Für mich unverständlich, für Nicolas Lotze und sein Team das Ergebnis akribischer Arbeit: „Es zeigt uns, dass das Anbindungsloch der Leuchte acht Zehntel Millimeter zu tief in der Karosserie sitzt und dass der Stoßfänger um 1,1 Millimeter zu tief eintaucht.“ Für den Laien kaum sichtbar, für die Experten der Qualitätssicherung eine Abweichung vom Optimalwert. Im nächsten Schritt wird nachgebessert. „Die Qualität, die wir hier abstimmen, ist die Basis für die Bauteilbeschaffenheit der Serienproduktion“, so Lotze weiter. Dazu ist er in ständigem Austausch mit dem Werkzeugbau, der Fertigung, Planung, Entwicklung und den Zulieferern.

Ähnlich sieht es ein paar Meter weiter aus. Im Innenmeisterbock beugt sich Andreas Pohl über das Armaturenbrett des neuen Audi A4. Er koordiniert die Innenmeisterbockarbeit im Cockpit. Mit der Fugenlehre kontrolliert er Abstand und korrekten Sitz des virtual cockpit. Auch hier fallen gelbe Klebepunkte auf. „Im Innenraum ist die Instrumententafel die größte Herausforderung“, so Pohl. „Hier treffen sehr viele verschiedene Materialien aufeinander.“ Ingo Jastrow, Leiter des Innenmeisterbocks, ergänzt: „Hinzu kommt, dass wir gerade bei der Innenausstattung sehr viele Zulieferer koordinieren. Die einzelnen Bauteile der unterschiedlichen Hersteller müssen präzise aufeinander abgestimmt werden.“

Meisterbock

Maß genommen: Andreas Pohl kontrolliert den Innenraum des neuen Audi A4.

 

Ich zeige auf einen der Punkte am Lenkrad und blicke die Experten fragend an. „Schauen Sie mal genau hin, da ist im Chrom ein leichter Einzug drin. Da muss der Zulieferer noch einmal nachbessern“, erklären diese. Wie ich meinen Blickwinkel auch verändere, ich erkenne keinen Makel. „Mit der Zeit entwickelt man ein Auge dafür“, beruhigen sie mich.

Gründes Licht in der Qualitätssicherung

Geben die Kollegen vom Außen- und Innenmeisterbock grünes Licht, entsteht ein Referenzfahrzeug, ein möglichst perfektes Abbild aus der realen Produktion. Begutachten kann ich ihn hinter einer weiteren Schleuse. Im gleißenden Licht steht der neue Audi A4 auf einer Drehbühne. Alles passt bis aufs Zehntel. Mitarbeiter fahren mit Messgeräten um das Fahrzeug, speichern die Daten. „Wenn im Verlauf der Produktion etwas von der Norm abweichen sollte, dann wissen wir genau bis zu welchem Fertigungsschritt wir zurück müssen“, erklärt Lotze. „Das ist unser Urmeter.“ Bevor ich die Qualitätssicherung verlasse, werfe ich noch einmal einen letzten Blick zurück und sehe, wie ein kleiner gelber Punkt auf die Unterseite des Stoßfängers der Referenzkarosse geklebt wird. Ich muss schmunzeln. Fünfe gerade sein lassen ist wirklich nicht die Stärke der Kollegen.

Meisterbock
Meisterbock
Meisterbock
Meisterbock

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