Aus unserem Archiv:

Röhrl und Geistdörfer über die quattro-Gene von Audi

Seit mehr als 100 Jahren feiert Audi im Motorsport große Erfolge. Auf der diesjährigen Donau Classic hat sich das Audi Blog mit den Rallye-Legenden Walter Röhrl und Christian Geistdörfer über die entscheidende Rolle von quattro unterhalten.

 Team-Besprechung: Geistdörfer (links) und Röhrl (rechts) gehen das Roadbook für die Donau Classic durch.
Team-Besprechung: Geistdörfer (links) und Röhrl (rechts) gehen das Roadbook für die Donau Classic durch.
Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

 

Sie fahren heute den Sport quattro Rallye aus dem Jahr 1984. Was verbinden sie mit diesem Auto?

Röhrl: Ein Auf und Ab.

Geistdörfer: Heiß und Kalt.

Röhrl: Bei der San Remo Rallye 1984 hatten wir in diesem Auto den heftigsten Unfall unserer Laufbahn, ein Jahr später haben wir mit ihm die Rallye von Monte Carlo verloren und sind auf dem zweiten Platz gelandet. Das hat sich ins Gedächtnis eingebrannt.

 

Keine guten Erinnerungen. Wirklich so unzufrieden gewesen?

Geistdörfer: Wir hatten zuvor dreimal in Folge gewonnen. Da ist alles andere dann… (lacht)

Röhrl: Wenn man antritt, will man auch gewinnen. Bei allem anderen konnte ich immer am ehesten damit leben, wenn es nicht an mir lag. Wenn ich Schuld hatte, war das ganz schlimm. Das hat dann wochenlang gebohrt.

Was verbinden Sie mit quattro?

Röhrl: Wenn ich einen Tick habe, dann ist es Traktion. Ich habe immer darunter gelitten, wenn das Auto in einem Rennen quer lief. Ich war in diesen Situationen körperlich angespannt, weil ich ja wollte, dass es vorwärts fährt. Und dann kam diese Erlösung: der quattro. Man konnte die Kraft, die das Auto hatte, immer sofort in Fortbewegung umsetzen. Das ist für mich das Entscheidende, wenn ich an quattro denke.

Geistdörfer: Wobei es ziemlich lange gedauert hat, bis man sich gefunden hatte.

Röhrl: Ja, ganz klar. Das erste Angebot von Audi habe ich auch deshalb ausgeschlagen, weil mich dieses Verspannte, das der Allrad anfangs noch hatte, wahnsinnig gemacht hat. Aber wir haben uns dann nach ein paar harten Fights gefunden.

Welche Gene der Rallye-Autos finden sich heute noch in den Audi-Modellen?

Röhrl: Bei jedem Audi, den ich fahre, überkommt mich nach wie vor dieses erhabene Gefühl der Traktion, dass ich die Kraft des Autos auch auf die Straße bringe. Natürlich ist die Technik mittlerweile so fortgeschritten, dass man nichts mehr merkt von Verspanntheit oder Untersteuern. Das Auto lenkt perfekt ein und wenn du Gas gibst, bringt das Auto die Kraft auf die Straße und fährt dahin, wo du hin willst. Das sind die großen Vorteile, die der Allrad mit sich gebracht hat. Das haben mittlerweile ja auch alle kapiert. Früher haben sich die anderen Automobilhersteller noch dagegen gewehrt, weil sie natürlich nicht zugeben wollten, dass Audi da das einzig Wahre entdeckt hat.

Lassen wir die Zeit Revue passieren. Wie hat sich die Audi-DNA in Sachen Motorsport verändert?

Röhrl: Am Anfang, als Christian und ich noch nicht bei Audi waren, war der Motorsport noch nicht so stark im Unternehmen verankert wie heute. Auf der Rennstrecke hat uns das natürlich in die Karten gespielt. Aber das hat sich in der Zwischenzeit ins Gegenteil verkehrt. Egal was Audi macht, du bist immer wieder sprachlos. Wenn sie nämlich etwas machen, dann machen sie es so hundertprozentig, dass sie damit Erfolg haben. Man sieht es am DTM-Rennen am Lausitzring vom 31. Mai. Da sind fünf Audi vorneweg gefahren. Das war bisher immer Mercedes-Land. Da kannst du nur den Hut ziehen.

Sie haben schon mehrfach in Interviews gesagt, dass die Anforderungen an die Fahrer heute nicht mehr so hoch sind, weil das Auto sich stark weiterentwickelt hat.

Röhrl: Wir hatten damals noch Handschaltung, keine Servolenkung und die Veranstaltungen waren viel länger. Ich sage immer wieder, dass es damals anders war. Aber heute hat es ein Fahrer vielleicht trotzdem schwerer als wir. Damals konnte man sich als guter Fahrer besser in Szene setzen und hohe Zeitvorsprünge herausfahren. Heute ist auch ein weniger guter Fahrer sehr schnell unterwegs. Nicht zu vergessen, in den Autos steckt mittlerweile jede Menge Technik, die unterstützt.

Geistdörfer: Die Rallyes werden heute mit einem Unterschied von nur wenigen Sekunden gewonnen. Körperlich war es damals sicherlich die schwerere Arbeit und durch das ungezähmte Auto hattest du eher den Eindruck, dass du als Fahrer mehr dazu beitragen musst.

Entscheidet heute also nur noch die Technik über den entscheidenden Vorsprung?

Röhrl: Das Auto ist heute sehr dominant und ich habe den Eindruck, dass der Fahrer im Vergleich zu damals weniger wichtig ist.

Geistdörfer: Und die Autos halten mehr aus, sie verzeihen Fahrfehler. Wir wären früher ausgeschieden, wenn wir zu schnell durch ein Loch gefahren wären. Heute macht das den Autos nichts aus. Wir mussten regelrecht auf das Auto aufpassen. Heute gibt es diesen Gedanken nicht mehr.

Die quattro-Gene der Vier Ringe
Die quattro-Gene der Vier Ringe
Die quattro-Gene der Vier Ringe

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.