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Seines Klickes Schmied

Auf der Kinoleinwand sind sie Megastars: autonome Roboter. Sie bekämpfen Verbrechen und retten die Welt. Wie nahe aktuelle Technologien den Hollywood-Phantasien bereits heute sind, diskutierten ein Robotiker und ein Audi-Entwickler.

 Moderator Marlon Matthäus im Gespräch mit Robotiker Tamim Asfour und 3D-Druck-Experte Hans Gressmann
Moderator Marlon Matthäus im Gespräch mit Robotiker Tamim Asfour und 3D-Druck-Experte Hans Gressmann
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Science Fiction-Filme wie „Transfomers“ wirken wie Zukunftsmusik: Aus Autos werden plötzlich Roboter, die selbstständig denkend und handelnd die Welt retten. Und geht es nach den Machern des Hollywoodstreifens „I, Robot“, stehen uns im Jahr 2035 intelligente Roboter als tägliche Wegbegleiter und Alltagshelfer an der Seite.

Roboter ARMAR könnte künftig ein solcher Gefährte sein. Gebaut wurde der autonom handelnde und lernfähige Haushaltsroboter von Professor Tamim Asfour, Leiter des Lehrstuhls für Hochperformante Humanoide Technologien am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Der Forscher gab beim Audi.torium mit dem Titel „Seines Klickes Schmied“ am Dienstagabend eine Einschätzung, was von den technologischen Visionen Hollywoods jenseits der Leinwand zukünftig Wirklichkeit werden kann. Außerdem mit dabei: Hans Gressmann, Leiter in der Technischen Entwicklung bei Audi. Der Experte für 3D-Druck erklärte, welches Potenzial hinter dieser Zukunftstechnologie steckt.

Audi.torium

In Zukunft können viele Arbeiten von Robotern ausgeführt werden

„Mit ARMAR ist es uns gelungen, einen Roboter zu entwickeln, der stark der Motorik des Menschen angepasst ist. Er kann sich in einer beliebigen Küche zurechtfinden und dort alltägliche Aufgaben wie das Abwischen von Oberflächen und das Greifen nach Dingen übernehmen“, erklärt Asfour dem Publikum im Audi Forum Ingolstadt. Der Clou: ARMAR kann aus der Beobachtung des Menschen lernen: Wird ihm einmal eine Bewegung gezeigt, kann der Roboter diese in anderen Situationen wieder anwenden.

Die technische Herausforderung besteht darin, dass ARMAR künftig auch auf Sprache reagieren, mit Menschen interagieren und Gelerntes an anderen Orten anwenden kann. „Wir arbeiten daran, dass der Roboter aus der Beobachtung heraus das Wesentliche abstrahieren kann und auf dieser Basis eine Beschreibung findet, die es erlaubt, beispielsweise Wischbewegungen auf einem Tisch auch an anderen Orten wie einer ungeraden Fläche einer Badewanne zu machen“, so Robotik-Experte Asfour.

Der Antrieb des Forschers ist weniger die Faszination für Technik als für den Menschen: „Mich fasziniert, was Tiere und Menschen alles können. Dieser Vielfältigkeit will ich mich mit Technologien annähern“, beantwortet Asfour die Frage von Moderator Marlon Matthäus nach seiner Inspiration. Sein Ziel sei es nicht, den Menschen zu kopieren, sondern seine Lebensqualität zu verbessern. „In zwanzig Jahren verrichten Roboter nicht nur alltägliche Aufgaben und treffen vollkommen selbständig Entscheidungen. Sondern wir selber werden mit Robotern verschmelzen und damit in der Lage sein, unsere menschlichen Fähigkeiten zu erweitern“, prophezeit der Forscher.

Audi.torium

Einen Blick in die technologische Zukunft bot das Audi.torium mit dem Titel "Seines Klickes Schmied"

„Einen Roboter zum Anziehen“ nennt er eine solche Technologie. Gemeint ist eine Art technologischer Anzug, der die Kräfte des Menschen erweitert und seine sensorischen und dynamischen Fähigkeiten verbessert. „Der Mensch wird so in der Lage sein, schneller zu laufen und schneller zu reagieren, seine Wahrnehmung wird sich schärfen. Dies kommt nicht nur gesunden Menschen, sondern vor allen Dingen auch körperlich eingeschränkten Menschen zu Gute“, so der Robotiker.

Erste Ansätze eines solchen Anzuges werden über 3D-Drucker hergestellt. Dieses Verfahren ist bereits seit 1999 zur Herstellung von Einzelteilen für Prototypen in der Vorserienfertigung der AUDI AG etabliert. Der Vorgang ist so genial wie einfach: Eine Maschine baut dreidimensionale Werkstücke. Basismaterialien sind dabei zum Beispiel Kunstoffe, Kunstharze, Keramiken oder Metalle.

Experte auf diesem Gebiet ist Hans Gressmann. „Mit dem 3D-Druck-Verfahren können wir relativ schnell Modellteile erzeugen. Das spart unheimlich Zeit. Wo früher über Tage hinweg händisch aus Holz Einzelteile für Prototypen gefertigt wurden, erstellen wir heute mit Hilfe des 3D-Drucks komplexe Einzelteile in nur wenigen Stunden. Auch in filigraner Hinsicht ein Fortschritt“, erklärt der Audi-Entwickler. „Bei der Erprobung von technischen Anforderungen, Ästhetik und Aerodynamik der einzelnen Bauteile eines zukünftigen Audi ist der 3D-Druck damit ein großer technologischer Gewinn.“

Dass sich aus der heutigen Herstellung von Einzelteilen für Prototypen in Zukunft die Fertigung des gesamten Autos in Großserie entwickeln könnte, sieht der Experte allein aus Effizienzgründen nicht. Gressmann gibt aber auch zu: „Der Knopf im Ohr, mit dem Nyota Uhura in Star Trek mit der Crew kommunizierte, schien mir damals visionär. Heute ist diese Art der Kommunikation längst alltäglich. Man weiß also nie genau, was künftig Wirklichkeit wird. Ich halte alles für möglich, nur nicht heute und nicht morgen.“

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