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Starke Stücke

Zum Eröffnungskonzert der diesjährigen Audi Sommerkonzerte war der polnische Startenor Pitor Beczala zu Gast. Zu seinem Repertoire gehört neuerdings auch die Arie des Lohengrin – er sang das Stück in Ingolstadt zum ersten Mal.

 Arie des Lohengrin: „In fernem Land, unnahbar euren Schritten“
Arie des Lohengrin: „In fernem Land, unnahbar euren Schritten“
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Ein Hauch freudiger Erwartung liegt in der Luft. Es ist, als wollten die Gäste im Ingolstädter Stadttheater sagen: Na also, jetzt geht’s endlich weiter. Pünktlich um 19.30 Uhr hat das Warten ein Ende und Audi-Kulturreferent Sebastian Wieser begrüßt das Publikum zum Auftakt der Audi Sommerkonzerte 2014.

Gleich die Eröffnung der Konzertreihe wartet mit einem Höhepunkt auf. Der polnische Startenor Piotr Beczala ist zu Gast und erntet bereits nach dem ersten Zeilen aus Guiseppe Verdis Arie des Ricardo „Di’ tu se fedele“ aus der Oper „Un Ballo in Maschera“ begeisternden Applaus. Der lyrische Tenor studierte an der Musikakademie Kattowitz Gesang und war später Ensemble-Mitglied in Linz und Zürich. Auch als Konzertsolist ist Beczala erfolgreich und war bereits bei den Salzburger Festspielen zu Gast. Am Mittwochabend beweist er, dass er nicht nur eine große Stimme, sondern auch viel Sinn für Humor hat.

Als der Moderator des Abends, Ben Alber von BR-Klassik, ihn nach seinem Talisman fragt, erhält er eine überraschende Antwort. Piotr Beczala hat immer eine kleine Zauberflöte bei sich, die ihm ein Fan in Wien geschenkt hat. Und er trägt Manschettenknöpfe mit einem Abbild von Sean Connery in seiner Rolle als James Bond. Darüber hinaus spricht Piotr Beczala sechs Sprachen: Polnisch als Mutter- und Deutsch als erste Fremdsprache. Russisch lernte er in der Schule, Italienisch von Kollegen, Französisch unterwegs und Englisch von Regisseuren, da die meist keine weitere Sprache beherrschen. Das Singen falle ihm allerdings am schwersten in seiner Muttersprache. Spätestens nach diesem Geständnis hat er das Publikum im Saal erobert.

Starke Stücke

Piotr Beczala und Lukasz Borowicz inmitten der Philharmoniker

Trotz Stimmgewalt und Charisma des polnischen Tenors lässt sich die Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Lukasz Borowicz nicht in den Schatten spielen. Das erste Stück des Abends ist Anontín Dvořáks Slawischer Tanz Nr. 1, op. 72, eine heitere Melodie, die der Tscheche ursprünglich für Klavier zu vier Händen geschrieben hatte. Johannes Brahms empfahl den damals noch unbekannten Komponisten seinem Verleger, und so wurden die Slawischen Tänze das erste Werk, für das Dvořák eine Gage als Komponist erhielt.

Neben Verdi und Dvořák stehen auch Stücke von Puccini, Strauß (Sohn) und Berlioz auf dem Programm. Die Philharmonie Baden-Baden interpretiert diese Werke auf eine fast schwerelose Art, nimmt die Zuschauer ein und bringt sie dazu, sich entspannt zurückzulehnen und die Musik zu genießen. Viele schließen die Augen. Auch Dirigent Lukasz Borowicz ist ein Hochkaräter in der Szene der klassischen Musik – der promovierte Dirigent und Preisträger internationaler Dirigierwettbewerbe fügt sich nahtlos in das hörbar geübte Zusammenspiel der Philharmoniker ein.

Starke Stücke

Die Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Lukasz Borowicz eröffnet die Audi Sommerkonzerte 2014

Zweifelloser Höhepunkt des Abends war jedoch Richard Wagners Arie des Lohengrin: „In fernem Land, unnahbar euren Schritten“. An dieser Stelle begegnen sich der Ritter Lohengrin und Else zum ersten Mal. Auch für Beczala ist es heute eine Premiere: Er hat die Arie noch nie vor Publikum gesungen. Doch von Nervosität ist keine Spur, bravourös meistert er das anspruchsvolle deutsche Werk. „Für mich ist das ein sehr schwieriges Stück. Ich sehe mich als lyrischen Tenor, und da gibt es nicht so viel bei Wagner, das ich singen kann“, erklärt Piotr Beczala. 2016 wird er mit dieser Arie erneut auftreten: in Dresden, mit Anna Netrebko als Else.

Zum Programm des Abends gehört auch die Arie von Goethes jungem Werther: „Toute mon âme…Pourquoi me réveiller?“, die für ihn eine persönliche Bedeutung hat. Mit diesem Werk feierte er sein Debut am Royal Opera House in London. „Seitdem verfolgt es mich immer wieder“, sagt Beczala.

Mehrmals holt Moderator Ben Alber den Meistersänger zwischen den Stücken auf die Bühne, um Fragen nach seinem privaten und musikalischen Leben zu stellen. So erzählt Beczala, dass er sich während seiner Zeit als Schüler in Wien als Straßenmusikant versucht hat. Das letzte Stück im Programm, die Arie „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette „Land des Lächelns“ von Franz Lehár, gehört zu jenen Stücken, die Beczala damals in der Kärntner Straße in Wien zum Besten gab. Heute füllt er Konzerthallen.

Erfahren Sie mehr über das Programm der Audi Sommerkonzerte 2014 und das in diesem Jahr erstmalig ausgerichtete Vorsprung-Festival mit Kent Nagano. Eine Übersicht über noch verfügbare Tickets finden Sie hier.

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Janusz marciniak

29. June 2014 um 7:33
Sehr einfach, sachlich und korrekt geschrieben.