Tom Schwede in Oldtimer auf der Techno Classica 2018

Konventionsbrecher aus Ingolstadt

Techno Classica 2018: 50 Jahre Audi 100

Kein Wunder, dass die Audi Tradition den 50. Geburtstag des Audi 100 auf der Techno Classica groß feiert. Denn kaum ein Auto brach mit mehr Konventionen als der 1968 präsentierte Audi 100. Welche das waren, hat Blogger Tom Schwede auf der Messe recherchiert.

Ausstellungsstücke Audi 100 auf der Techno Classica 2018
Happy Birthday, Audi 100! Audi feiert auf der Techno Classica 2018 den 50. Geburtstags eines seiner berühmtesten Modelle. Audi Tradition zeigt zu diesem Anlass drei besondere Modelle: einen zweitürigen Audi 100 LS Automatic von 1972, einen Audi 100 LS von 1974 und das Audi 100 Coupé S von 1971.

Damit würdigt Audi ein Auto, ohne dass das Unternehmen heute vermutlich anders aussehen würde. Denn den Audi 100 hätte es nach dem Willen der Firmenleitung gar nicht geben sollen. Schließlich war die damalige Auto Union GmbH seit Mitte der 1960er-Jahre eine Tochter der Volkswagen AG. Die Direktive aus Wolfsburg lautete: Laufende Modelle betreuen, ohne neue Fahrzeuge zu entwickeln.

Denn Volkswagen interessierte sich zunächst „nur“ für die Produktionskapazitäten der neuen Tochter, um dort die eigenen Modelle zu bauen. Das stieß in Ingolstadt auf Widerstand. Ludwig Kraus, der technische Direktor der Auto Union, startete ohne Wissen der Geschäftsführung mit der Entwicklung einer neuen Limousine der oberen Mittelklasse.

Es entstand ein echter 68er, der sich passend zur damaligen Zeit über zahlreiche Konventionen hinwegsetzte. Kraus setzte bei der Entwicklung des Autos zahlreiche neue Standards. Denn erstmals bei einem Serienauto übernahm ein Computer die Berechnung der Karosseriestruktur. Kraus hatte dieses Verfahren bereits einige Jahre zuvor im Motorsport-Team seines vorherigen Arbeitgebers mitentwickelt. Bei der Entwicklung des Audi 100 vertraute Kraus wohl auch auf den Computer, weil dieser seine Berechnungen im Stillen erledigt.

Einen Großteil der Arbeiten leisteten Kraus und sein Team nach Feierabend. Tagsüber entwickelte die Mannschaft den „Audi F103“ weiter. Abends kümmerte sich das Team um das Geheimprojekt des Chefs. Trotzdem entstand in nur etwas mehr als einem Jahr ein erster Prototyp des Neuen. Tagsüber verhüllte ihn ein Vorhang. Das blieb natürlich auch Auto-Union Chef Rudolf Leiding nicht auf Dauer verborgen.

Fahraufnahme Audi 100 TDI vor orangener Wand

Erst versteckt, später gefeiert: Der Audi 100 gewann unter anderem fünf Mal das „Goldene Lenkrad“, zweimal den Titel „Auto des Jahres“ und wurde einmal sogar von Automobiljournalisten zum „World Car of the Year“ ausgezeichnet.

Aus dem Geheimprojekt wird ein Entwicklungsauftrag

Irgendwann 1967 verlangte Leiding Aufklärung. Die muss den Volkswagen-Mitarbeiter der ersten Stunde tief beeindruckt haben.

Denn Rudolf Leiding wies seinen Mitarbeiter Ludwig Kraus an, eine Präsentation in Wolfsburg vorzubereiten. Dort beeindruckte Kraus auch den damaligen Volkswagen-Konzernchef Heinrich Nordhoff. Nordhoff erkannte das Potenzial des präsentierten Autos und gab dem Projekt seinen Segen.

Nach dieser Entscheidung darf Kraus den Serienanlauf vorbereiten. Schon im März 1968 stellt Audi das neue Modell der Presse vor. Die Journalisten sind sofort begeistert, auch wenn Frontantrieb damals in der oberen Mittelklasse ein Novum ist. Doch der 4,59 Meter lange Audi 100 glänzt in den Fahrtests. Das Geheimnis ist seine genauso feste wie leichte Karosserie. Denn der erste Audi 100 bringt leer nur etwas mehr als eine Tonne auf die Waage. Damit hat selbst der 80 PS starke Basismotor ein leichtes Spiel.

Ab Herbst 1968 steht der Audi 100 bei den Händlern. Dort gibt es zunächst die klassische Limousine. Sie ist wahlweise mit zwei und vier Türen lieferbar. Nach der Presse reagieren auch die Kunden mit Begeisterung auf den neuen Audi 100. Und Audi versteht es geschickt, das Interesse hochzuhalten. Schon ein Jahr nach der Premiere steht auf der IAA in Frankfurt ein chices Audi 100 Coupé, das noch mehr als die Limousine die Sportfahrer anspricht.

Dr. Ludwig Kraus, damaliger technischer Direktor der Auto Union, ist maßgeblich am Erfolg des Audi 100 beteiligt. Er konzipierte entgegen der Order ein modernes Mittelklasse-Automobil, für das der Volkswagen-Vorstand schließlich grünes Licht gab.

Der Audi 100 war das perfekte Auto für die Zeit

Denn mit dem Audi 100 hat der Volkswagen-Konzern plötzlich und ungeplant ein Auto im Sortiment, das die Aufsteiger unter den Käfer-Käufern anspricht. Zudem gewinnt Audi mit dem Audi 100 viele Kunden, die zuvor bei anderen Marken zu Hause waren. Dabei hilft auch, dass der große Audi ab 1971 auf Wunsch mit bis zu 112 PS lieferbar ist. Dank des Leichtbaus ist der Audi 100 GL damit so gut unterwegs, dass zunehmend Kunden aus den Sechszylinder-Modellen der Konkurrenz in den neuen Audi umsteigen.

Vom der Idee zum Verkaufsschlager: Schon von der ersten Serie des Audi 100 verkaufte das Unternehmen 800.000 Einheiten.

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Kunden reagieren begeistert auf den neuen Audi, der mit seiner leichten und trotzdem festen Karosse auch in den Fahrtests überzeugt.

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Der Audi 100 Karmann Cabriolet: Für Audi baute Karmann 1969 ein viersitziges Cabriolet auf Basis des Audi 100 LS, dessen Verdeck elektro-hydraulisch betätigt werden kann.

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Angesichts des Erfolgs ist vom Plan 100.000 Exemplare herzustellen schnell keine Rede mehr. Dabei spielt auch die Ölkrise der 1970er-Jahre eine Rolle. Denn der Audi 100 gilt als sportlich und sparsam. Selbst das Topmodell verbraucht auf einer Strecke von 100 Kilometern weniger als neun Liter. Wettbewerber mit Stern oder Blitz am Bug verbrauchen zu dieser Zeit bis zu 25 Prozent mehr. Das spricht sich schnell rum und beschert den Audi-Händlern viele neue Kunden.

Selbst in den USA, dem Land der Straßenkreuzer, gelingt Audi mit dem Audi 100 ein Achtungserfolg. Bis zur Ablösung durch den Nachfolger 1976 bringt Audi 827.474 Exemplare des ersten Audi 100 auf die Straße.

Model posiert auf Modorhaube eines Audi 100
Model lehnt an rotem Audi 100 Coupé S

Was zeigt Audi noch bei der 30. Techno Classica?

Neben dem 50. Geburtstag des Audi 100 feiert die Audi Tradition in Essen zwei Rennsport-Modelle. Neben dem Auto Union Typ D von 1938 stellt Audi auch den Audi 200 quattro TransAm von 1988 in Essen aus. Für Motorrad-Freunde präsentiert die Audi Tradition unter anderem die DKW 350 RM. Mit der „singenden Säge” fuhr Gustl Hobl 1955 zur Deutschen Meisterschaft.

Vor 80 Jahren schickte die Auto Union AG erstmals den Auto Union Grand Prix Rennwagen Typ D auf die Rennpiste.

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Auch bei der diesjährigen Techno Classica kommt die große Gemeinde der Motorrad-Fans nicht zu kurz. Audi Tradition präsentiert die DKW 350 RM, auf der Gustl Hobl 1955 zur Deutschen Meisterschaft fuhr.

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Das dritte Jubiläumsmodell ist der Audi 200 Quattro TransAm. Die Marke mit den Vier Ringen startete 1988 erstmals Rundstreckenrennen in der nordamerikanischen TransAM-Serie und Rennfahrer Hurley Haywood gewann im Audi 200 Quattro auf Anhieb die Meisterschaft.

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Drei Audi-Jubiläen bei der Techno Classica
Aus dem Audi MediaCenter

Drei Audi-Jubiläen bei der Techno Classica

Gleich drei Jubiläen feiert Audi Tradition bei der Techno Classica in Essen vom 21. bis 25. März. Die 50-jährige Geschichte des Audi 100 ist Leitthema beim Markenauftritt auf der weltgrößten Oldtimermesse. 1968 hat Audi mit der Limousine den Schritt in die gehobene Mittelklasse gemacht. Darüber hinaus können sich Motorsport-Fans auf den Audi 200 quattro TransAm von 1988 und den Auto Union Typ D Rennwagen von 1938 freuen.

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Olaf Johannes Mirgeler

1. May 2018 um 16:59
Sehr geehrter Herr Schwede,

haben Sie vielen Dank für den sehr informativen und interessanten Artikel. Ich selbst fahre eine C1 mit Erstzulassung 09. Juni 1969, vielleicht einen der ältesten noch zugelassenen Audi 100 C1. Die Nummer der EG-Typgenehmigung oder ABE ist 1968. Wissen sie, ob es heute noch ältere Modelle gibt? Es wäre doch schön zu wissen im 50. Jubiläumsjahr, wie alt der älteste noch zugelassene C1 heute ist.

Bester Gruß
Olaf Johannes Mirgeler, Schwerin

Stephanie Huber

2. May 2018 um 7:11
Hallo Herr Mirgeler,

danke für Ihren Kommentar und Ihr Interesse am Audi 100. Ich habe bei unseren Kollegen der Audi Tradition nachgefragt, ob sie noch von einem älteren Modell als dem Ihren wissen. Ich melde mich bei Ihnen, sobald ich hier valide Infos habe.

Herzliche Grüße,

Stephanie aus der Social Media-Redaktion
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