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Testfahrt mit Bobby Gonzales

Angst oder Ermüdung kennt Bobby nicht. Das sportlichste pilotiert fahrende Auto der Welt fährt Runde für Runde am Limit. Autorin Janine Bentz-Hölzl hat den Star aus Hockenheim auf der Rennstrecke Ascari getestet. Natürlich als Beifahrerin.

 Ideallinie: Der Sportbolide fährt die anspruchsvolle Strecke in Ascari am Limit
Ideallinie: Der Sportbolide fährt die anspruchsvolle Strecke in Ascari am Limit
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Die Sonne steht bereits tief über den Hügeln der andalusischen Provinz, doch die Luft ist noch warm. Lange Palmwedel schwingen sanft hin und her und aus der Ferne hört man die Schafe blöken. Vom grauen Winter in Deutschland ist auf der Rennstrecke Ascari in der Nähe der spanischen Stadt Ronda nichts zu spüren. Perfektes Wetter für eine Testfahrt. Der Circuito Ascari hat es in sich. An der Wand in der Box ist die 5425 Meter lange Rennstrecke abgebildet. Jeweils dreizehn Links- und Rechtskurven zähle ich. Fast alle sind Nachbildungen der schwierigsten Passagen berühmter Rennstrecken wie Brands Hatch, Spa oder Silverstone. Für die heutige Fahrt habe ich einen 4,15 Kilometer langen Rundkurs ausgewählt.

Während das Rolltor der Box senkrecht nach oben fährt, spüre ich, wie mein Puls steigt. Da steht er: Bobby. Das sportlichste pilotiert fahrende Auto der Welt. Noch vor wenigen Wochen hat der 560 PS-starke RS 7 piloted driving concept mit einem Top-Speed von bis zu 240 Stundenkilometer fahrerlos den Hockenheimring umrundet. Die Bilder davon gingen um die Welt – und jetzt soll ich mit dem Sportboliden eine Runde in Ascari drehen. Ich kann es kaum erwarten.

Athletisch sieht er aus. Typ Leistungssportler. Mit seiner schwarz-weißen Beklebung ist er zeitlos eingekleidet. Ich glaube, wir werden uns gut verstehen. Ich werfe noch kurz einen Blick in den Kofferraum, wo das Gehirn von Bobby sitzt. Drei Rechner haben das Auto darauf programmiert, eine schnellstmögliche Runde entlang der Ideallinie zu fahren. Bobby ist ein intelligentes, selbstregelndes Auto, in dem ich nun aufgeregt Platz nehme. Natürlich nur auf dem Beifahrersitz. Denn Gas geben, lenken und bremsen übernimmt er.

Rechenpower: Mit Vorsprung durch Technik orientiert sich Bobby auf der Strecke

Der Motor springt an. Ich halte die Luft an. Mit voller Beschleunigung rast Bobby auf die erste Schikane zu: Eine schnelle, stark ansteigende Links-rechts-Kombination. Danach geht es bergabwärts in eine lange Linkskurve. Ich fühle mich wie in der Achterbahn, werde hin und her geschleudert und hänge wortwörtlich in den Gurten. Das Auto fährt unbeirrt weiter. Immer auf der Ideallinie, immer am Limit. Über speziell korrigierte GPS-Signale orientiert sich Bobby auf dem Rundkurs. Zusätzlich werden in Echtzeit 3D-Kamerabilder mit onboard-hinterlegten Bildinformationen abgeglichen. In jedem der zahllosen Einzelbilder sucht Bobby mehrere hundert bekannte Merkmale heraus, nach denen er sich orientieren kann.

Kompromisslos verfolgt der Sportwagen sein Ziel. Kein Zögern, keine Angst, kein Verbremsen. Als Beifahrerin ist das ein komisches Gefühl. Das Lenkrad bewegt sich wie von Geisterhand. Ich sitze nur daneben. Doch Zeit zum Nachdenken bleibt sowieso nicht. Bobby ist gnadenlos und exakt. Menschliche Gefühle kennt er nicht. Ich als Beifahrerin dagegen schon. Ich klammere mich an den Türgriff, als Bobby mit 190 Stundenkilometer in eine langgezogene Rechtskurve einbiegt. Er bremst kurz, aber stark an und lenkt geschickt durch eine Links-rechts-Schikane. Danach lässt er sich in der Steilkurve leicht nach außen treiben, um im nächsten Moment wieder mit Vollgas bergabwärts zu fahren.

Treuer Begleiter: Autorin Janine würde immer wieder bei Bobby einsteigen

Nach etwas mehr als zwei Minuten überquert Bobby mit mir die Zielgerade. Gefühlt hat die Fahrt nur wenige Sekunden gedauert. Ich bin berauscht von der Geschwindigkeit und aufgedreht. Die Fahrt am Limit hat riesig Spaß gemacht. Mit etwas wackligen Beinen steige ich aus dem Auto. Sanft schlage ich die Beifahrertür zu und lehne mich an meinen Chauffeur. Zweifelos ist er der bessere Rennfahrer von uns beiden. Good Job, Bobby. Du kannst mich gerne wieder mitnehmen.

 

 

 

 

 

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