Blogger Jan Weizenecker Audi R8 RWS

„Driftige“ Gründe für den Audi R8 RWS

Testfahrt mit dem Audi R8 RWS

Er ist attraktiv, humorvoll, sexy. Was klingt wie der nächste Vorschlag auf Tinder, ist für Blogger Jan Weizenecker der neue Audi R8 RWS. Wie groß das Match zwischen ihm und dem ersten Audi-Heckantriebler ist, hat er bei einer ausgiebigen Testfahrt herausgefunden.

Blogger Jan Weizenecker vor dem Audi R8 RWS
Jan Weizenecker, der sich selbst als Autonarr bezeichnet, ist schon einige Modelle Test gefahren. Wird der Audi-Heckantriebler mithalten können?

Ich bin verrückt. Ich bin das letzte Einhorn unter den Autonarren. Durch meine Adern scheint Benzin zu fließen. Kein E10, sondern Super. Aber ist es heute noch cool, sich für Autos zu interessieren? Wird man heute noch als smarter Typ betrachtet, wenn man im Sportwagen zum ersten Date kommt? Darf man sich am Heizen in Verbrennern noch die Seele wärmen? Oder werden wir Benzin-Junkies mit Bleifuß-Tendenz schon in die gesellschaftliche Raucherecke gestellt? Wie maßlose Fleischesser in den All-Inclusive-Clubs? Von Hipstern gemobbt? Fragen über Fragen. Dabei werden derzeit so viele neue Autos mit klassischem Antrieb auf den Markt geschwemmt, dass wir im Dickicht des kompakten Lifestyle-SUV-Waldes den Durchblick verlieren. In ihrer Einzigartigkeit scheinen sie doch alle gleich. Flasht uns irgendwas mit Rädern überhaupt noch so richtig?

Der Audi R8 RWS im Beziehungstest

Nie stellte sich mir die Frage, was wir von unseren Autos erwarten, mehr als heute. Wir scheinen chronisch unzufrieden. Paartherapie mit unserer geliebten Blechbüchse gibt es nicht. Höchstens gemeinsame Urlaube. Aber bringen die uns näher zu unserer mobilen Mitte? Wir beschweren uns über zu viel Technik im Auto. Es herrscht Eiszeit hinter dem Lenkrad. Das Ding wiegt zu viel und fühlt sich zu weit weg von der Straße und damit nicht ehrlich an. Kennen wir in dem Maße nur von unserer Ex-Freundin. Wäre das Auto unser Partner, wir hätten uns längst getrennt und unseren Freunden gesagt, die Leidenschaft sei verloren gegangen. Easy, Schluss gemacht per WhatsApp. Ein Oldtimer muss her. Ein Sugar-Daddy. Der kann mit der Agilität der jüngeren Wettbewerber zwar nicht mithalten. Er macht’s nicht mehr immer, überall und die ganze Nacht, dafür fühlt er sich echt an, denn er weiß, was er tut.

Wissen wir denn noch, was wir wollen? Oder leben wir in der Generation Car-Why? Jeder möchte sein Handy connecten – am liebsten mit sich selbst – und wenn das nicht geht, bitte wenigstens mit der Karre. Das gehört zum guten Ton. Sicherheits-Assistenten – sowieso. Niemand will im Auto sterben, dafür hat man ja nicht die letzten Jahre im Fitness-Studio geschwitzt und hat auf Fleisch verzichtet. Sitzheizung? Ja, bitte, und auch das beheizbare Lenkrad. Das ist schon arg nett im kalten Winter. Generell sollte es was Großes, Hohes sein mit sportlichen Genen. Vieles macht mich traurig. Ich sehne mich nach Wärme, Bindung und Abwechslung. UND DANN … baut Audi dieses Auto.

Seitenansicht Audi R8 RWS

Bei der Entwicklung des R8 V10 RWS lag der Fokus auf Purismus und Fahrspaß. Dabei beschleunigt der Wagen in 3,7 Sekunden von 0 auf 100.

Der Neue ist ein Auto, das mich daran erinnert, warum ich diesen Job mache. Namentlich heißt meine neue Liebe: Audi R8 V10 RWS. Ich stelle sie euch hier vor: Der R8, das ist der Sportwagen von Audi. Das sportlichste Modell in der Audi Sport-Familie, die früher ja mal „quattro GmbH“ hieß. Auf den Namen V10 hört der 397 kW starke (540 PS) Antrieb mit eben zehn Töpfen. RWS bedeutet „Rear Wheel Series“ – also Heckantrieb.  Heckantrieb? Ja, Heckantrieb. Kritische Beobachter des Automobil-Zirkus werden direkt bemerken: DAS GAB es ja noch NIE bei den Ingolstädtern. Richtig: Das erste Mal von hinten – und ist im R8 RWS deshalb auf 999 Stück limitiert.

Autotester Jan Weizenecker auf dem Weg zum Audi R8 RWS
Jan Weizenecker auf dem Weg zum Audi R8 V10 RWS: Exklusiv für das R8 Coupé V10 RWS ist das obere Sideblade in Mythosschwarz und das untere Sideblade in Wagenfarbe lackiert.

Dabei ging die Kleinserie, die in Handarbeit in der R8-Manufaktur „Böllinger Höfe“ bei Neckarsulm gefertigt wird, im Medienrummel der IAA 2017 beinahe unter. „Der Audi R8 V10 RWS ist gemacht für Puristen“, erklärt Michael-Julius Renz, Geschäftsführer der Audi Sport GmbH. 33 Pfund werden durch das Weglassen von allem, was die Kraft an die Vorder-Räder treibt (Kardanwelle, Lamellenkupplung und Vorderachsgetriebeerklären), eingespart. Die restlichen Kilos sind durch den Verzicht auf Adaptive Dämpfer, Dynamik- und Allradlenkung zu erklären. 1.590 Kilo wiegt der Sportler nach dieser Low-Carbon-Diät. Serienmäßig steht er auf 19 Zöllern. 20-Zoll Schlappen und Keramikbremsen sind genauso wenig erhältlich wie zusätzliche Fahrmodi. Außerdem kommt der RWS ohne elektronisch geregelte Hinterachs-Sperre aus. Dafür gibt es ein klassisches mechanisches Differential. Manchmal kann weniger tatsächlich mehr sein.

Ein Audi für Puristen

Und diese Liebe zum Purismus für Fahrdynamiker soll auch jeder sehen. Deshalb kommt der RWS ein bisschen anders daher, als der „normale“ R8. Deutlichstes Erkennungszeichen ist der Singleframe. Er wird mattschwarz lackiert, genau wie die Luftöffnungen an der Frontschürze und am Heck. Auch das obere Sideblade an den hinteren Fenstern des Coupés schimmert dunkel. Dazu passen die serienmäßig schwarzen 19-Zöller.

Wer sich weiter abgrenzen will, der ordert eine spezielle Audi Sport-Folierung, die quer über das Auto führt. Ein Partner-Tattoo quasi. Das Cockpit ist bis auf das „1 of 999“-Schildchen  baugleich mit dem aller Audi R8. Die Liebe zum R8 RWS ist limitiert. Sie ist etwas ganz besonderes. Das gibt’s nicht einfach mal so im Vorbeiwischen auf Tinder, nicht mal Elitepartner kann da mithalten.

Autotester Jan Weizenecker im Interieur des Audi R8 RWS

Blogger Jan Weizenecker am Steuer des Audi R8 RWS: Die Sportsitze sind mit Leder und Alcantara bezogen und sorgen für das richtige Rennwagen-Feeling.

Der Protagonist in einem Sportwagen ist natürlich der Antrieb. Sein Herz: Der 5,2-Liter-V10 Sauger, der mit dem R8 RWS zwangs-verheiratet wurde, leistet 397 kW (540 PS) und stellt genauso viel Drehmoment bereit. Er ist jederzeit im Stande, für mächtig Vortrieb zu sorgen. Seine Drehfreudigkeit passt gar besser zum RWS-Konzept. Er beschleunigt in 3,7 Sekunden (0,2 mehr als der Allrad) von 0 auf 100. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 320 Stundenkilometern – genau wie der „Große“. Angetrieben wird auch der RWS vom knackigen 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das bei Audi „S Tronic“ heißt. Mit ihm hat mein Deckel seine zehn Töpfe gefunden.

Der erste Heckantrieb aus Ingolstadt

Fährt man den ersten Hecktriebler der Ingolstädter Geschichte, so fühlt er sich genau das Stück echter und lebendiger an. Er wirkt trotzdem ausgeglichen. Die bemerkenswerte Balance ist durch die gute Gewichtsverteilung zu erklären. Es verbleibt ein Hang zum Untersteuern beim Überperformen am Gaspedal. Er lässt sich aber mit gezielten Stößen von Letzterem wieder sanft einfangen.

Das liegt zum einen am angepassten Fahrwerk. Die Audi-Ingenieure haben die passiven Dämpfer härter eingestellt, den Vorderachs-Stabilisator verstärkt, und der Hinterachse mehr Sturz verpasst. Natürlich musste auch die Kennlinie der Lenkung ans neue Konzept adaptiert werden. Sie wirkt jetzt sehr direkt und trotzdem nicht unrund oder überspitzt. Wer jetzt denkt, dass Audi damit ein unbeherrschbares Drift-Monster geschaffen haben könnte, der irrt. Fährt man den RWS unterhalb des Grenzbereichs, dann ist er so klebrig, dass man sich in der Allrad-Variante wähnt. Das ist wohl das größte Kompliment, das man ihm machen kann. Denn Zuverlässigkeit und Vertrauen sind elementare Säulen – in jeder Beziehung.

Jan Weizenecker und Beifahrer im Interieur des Audi R8 RWS
Helm auf, Anzug zu, Abfahrt: Jan Weizenecker ist bereit für die Fahrt im ersten Audi-Heckantrieb.

Doch Seriosität alleine will man auch nicht. Zusammen Pferde stehlen können, das wäre toll. Mal was Verrücktes tun. Und legt man auf Reifen nicht zu allzu viel wert und spendiert Audi einem für die zweitschönste Nebensache der Welt ein Flughafengelände und ausreichend Gummi, dann knallt’s.

Jetzt spüre ich, wie groß das Match zwischen mir und dem R8 V10 RWS ist. Natürlich muss man sich ans das neue Fahren gewöhnen. Ganz ohne kurzes Vorspiel flutscht es schließlich nicht. Doch dann kommen wir ganz leicht rein und mit etwas Gefühl auch ziemlich sanft wieder raus. In die Kurven versteht sich. Hat man den Dreh einmal raus, dann sind auch große Lenkwinkel (!) kein Problem.

Pure Fahrdynamik: Der Audi R8 V10 RWS

Heckansicht Audi R8 RWS in der Kurve
Der puristischen Charakter der neuen R8-Variante wird durch die mattschwarzen Luftöffnungen an Heck und Front unterstrichen.

Eigentlich will dieses Auto nicht quer. Sein Mittelmotor-Konzept war nicht fürs Driften gedacht. Er dreht sich folglich schneller als erwartet. Im Anschluss muss abrupt der harte Schlag des Gegenpendlers eingefangen werden. Potenziellen Käufern sei gesagt, dass der heiße Tanz anspruchsvoll ist, aber unglaublich viel Spaß macht. Wenn man den Dreh mal raus hat, dann ist das Driften in dem ersten Audi Hecktriebler für mich absolut die zweitschönste Nebensache der Welt.

Der Audi R8 V10 RWS stellt Fahrdynamik pur bereit, er zeigt eine ausgeglichene Balance, ist zuverlässig, souverän und mit seiner sanften Federung und dem Virtual Cockpit ein Partner für jeden Tag. Ob ich den hyperaktiven Allradler vermisse? Höchstens beim Skifahren, denn er kann mich schließlich mit viel Traktion auf eingeschneite Berghütte begleiten.

Ansonsten mit Nichten, denn der Neue ist leichter, echter, lebendiger und humorvoller. Dabei ist hier die große Liebe vergleichsweise günstig zu haben. 140.000 Euro legt man für das Coupé hin, der Roadster liegt bei 153.000 Euro. Satte 26.000 Euro weniger kostet der RWS.

Wer Interesse am R8 RWS hat, muss sich aber ranhalten, denn der Neue ist auf Tinder heiß begehrt. Wer attraktiv ist, bleibt nicht lang allein. Zwischen Angebot und Nachfrage herrscht auch beim R8 RWS ein Ungleichgewicht. Denn er wurde – warum auch immer – auf 999 Exemplare limitiert. Sein Dating-Postfach ist – metaphorisch formuliert – am Überquellen.

Der Audi R8 RWS im Detail

Mit dem Audi R8 RWS wird ein Stück Audi-Historie geschrieben: Der R8 RWS ist der erste Heckantrieb, der aus Ingolstadt auf die Straße kommt. Bei seiner Entwicklung lag der Fokus vor allem auf Purismus und Fahrspaß.

Schnelles Gefährt: Der Audi R8 RWS beschleunigt in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 und sorgt so für maximalen Fahrspaß.

1/5

Beim Audi R8 RWS liegt der Fokus klar auf dem Heck: Erstmals erscheint mit ihm Audi mit Hinterradantrieb.

2/5

Mit einer Gewichtsreduktion von 50 kg gegenüber dem R8 Coupé V10 liegt der R8 V10 RWS leicht in der Kurve und macht das Kurvenhandling mehr als angenehm.

3/5

Und ab geht der R8 RWS: Das auf den Hinterradantrieb abgestimmte Fahrwerksetup erlaubt kontrollierte Drifts im ESC-Modus "Sport" und sorgt so für Fahrvergnügen.

4/5

Auf Dynamik ausgelegt: Der Audi R8 RWS enthält einen der letzten freisaugenden Motoren in seinem Segment und bringt somit das Fahrkonzept eines Rennwagens auf die Straße.

5/5
Audi R8 V10 RWS
Aus dem Audi MediaCenter

Audi R8 V10 RWS

Die Audi Sport GmbH erweitert ihre R8-Modellreihe um ein neues Derivat. Der Audi R8 V10 RWS (Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 12,6 – 12,4, CO2-Emission kombiniert in g/km: 286 – 283) kommt in einer limitierten Serie von 999 Exemplaren als Coupé und Spyder auf den Markt. Das Modell ist heckangetrieben (Rear Wheel Series) und entsteht exklusiv in Handarbeit in der R8-Manufaktur „Böllinger Höfe“.

Weiterlesen

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Audi R8 V10 RWS: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 12,6 – 12,4; CO2-Emission kombiniert in g/km: 286 – 283. Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz. //  www.audi.de/DAT-Hinweis