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Thomas Frank über Oldtimer

Thomas Frank liebt Oldtimer. Als Leiter der Audi Tradition und Gründer der Audi Classic Owners weiß er alles über den Zauber des alten Blechs. Er ist immer auf der Suche nach Schnäppchen und weiß, was beim Oldtimerkauf zu beachten ist.

 Thomas Frank mit seinem 100 Coupé S, Baujahr 1973
Thomas Frank mit seinem 100 Coupé S, Baujahr 1973
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Herr Frank, Sie kamen gerade mit dem Audi 100 Coupé S, Baujahr 1973, hier an. Ist das etwa Ihr Alltagsauto?
Ich fahre mit alten Autos, so oft es geht. Sogar zur Arbeit. So kann ich auf der Fahrt ins Büro am besten entspannen.

Ein Oldtimer ist für Sie also ein Gebrauchsgegenstand?
Ich finde, ein Auto sollte nicht in der Garage versauern, auch ein Oldtimer nicht. Es ist schließlich ein „Fahrzeug“ und kein „Stehzeug“. So ein Auto hält auch mal einen Regenschauer aus. Trotzdem ist das Coupé S ein sehr seltenes Auto. Damit würden Sie auf jeder Oldtimerrallye in Deutschland sofort einen Startplatz bekommen. Dagegen sind Mercedes Flügeltürer, Porsche Spyder oder Jaguar XK Massenware. Sie sind deutlich teurer als ein Coupé S, aber eben auch wesentlich häufiger.

Sie sind nicht nur Gründer der Audi Classic Owners, sondern auch Leiter der Audi Tradition. Sie gehen für Audi auf die Jagd nach Old- und Youngtimern. Welche Quellen empfehlen Sie bei der Suche nach dem perfekten Oldie?
Da sind zunächst die einschlägigen Zeitschriften wie „Motor Klassik“, „Oldtimer Markt“ oder „Auto Bild Klassik“. Entscheidend sind immer auch Kontakte. Das ist ja auch der Sinn der Audi Classic Owners: Wir bringen Leute miteinander ins Gespräch. Leute, die vielleicht ein Auto kaufen wollen, können sich mit Oldtimerbesitzern austauschen. Eine ganz wichtige Quelle ist auch das Internet. Ich schaue fast jeden Tag im Internet, zum Beispiel auf mobile.de, Autoscout24 und eBay, nach Angeboten. Ich bin permanent auf der Suche nach Schnäppchen. Das ist überhaupt das Schlimmste, wenn man Oldtimerfan ist. Man ist immer auf der Jagd.

Gibt es dieses ultimative Schnäppchen, den verborgenen Schatz überhaupt noch?
Die gibt es. Diese Schätze sind oft die sogenannten „Opa-Autos“, die jahrelang in Garagen versteckt waren, mit wenigen Kilometern und kaum verbeult. So gesehen bin ich ein moderner Schatzsucher.

Sie haben mal ein Auto auf eBay ersteigert. Können Sie diese Quelle empfehlen?
eBay ist eine der weltweit größten Börsen für Oldtimer und umfasst auch internationale Angebote. Meinen Porsche 944 S2 Cabrio habe ich dort ersteigert. Es war mitten im Winter bei minus 24 Grad. Ich war damals der einzige Bieter. Bei diesen Temperaturen wollte keiner ein Cabrio ersteigern.

Welche Regeln sollte man beim Oldtimerkauf unbedingt beachten?
Zunächst sollte man sich den Gesamtzustand des Autos ansehen und dann natürlich den Verkäufer. Dann kommt die Probefahrt. Viel beim Autokauf ist Vertrauenssache. Da stellt man schnell fest, ob das Auto beispielsweise schon warmgefahren wurde. Grundsätzlich sollte man sich unbedingt eine Preisobergrenze setzen. Erfahrungsgemäß kommen immer noch Reparaturen hinzu, die im Nachhinein zu Buche schlagen.

Das klingt nach einem teuren Hobby.
Überhaupt nicht. Die Versicherungsprämien sind inzwischen sehr gering. Dazu kommt die ermäßigte Steuer von 191 Euro im Jahr mit H-Kennzeichen. Entscheidend ist, dass man genug Platz hat für dieses Hobby. Man muss einen Ort haben, an dem man das Auto unterbringen kann. Am Straßenrand hat ein Oldtimer nichts verloren.

In Zeiten der Finanzkrise schaffen sich immer mehr Menschen Oldtimer als Wertanlage an. Gibt es die „sichere Nummer“ beim Oldtimerkauf? Eine Marke oder ein Modell, das Sie als Investition empfehlen können?
Wenn das so einfach wäre! Natürlich kann man die berühmten Modelle der großen Marken kaufen, etwa einen Mercedes SL mit Flügeltüren. Nur sind die heute unerschwinglich. Bei Audi ist das etwas komplizierter. Es gibt die teuren und äußerst seltenen Vorkriegsautos wie Horch, Wanderer, DKW und Audi. Die DKW aus der Nachkriegszeit sind schwerer zu verkaufen, ganz einfach weil sich junge Leute heute eher für Youngtimer interessieren. Interessant wird es dann wieder ab den 70ern. Ich rate jedem, der die Möglichkeit hat, das extrem seltene Audi 100 Coupé S zu kaufen. Ein guter Kauf sind auch der Audi 50, der NSU TT und der Urquattro.

Sie haben schon viele alte Autos gekauft, beruflich und privat. Welchen Oldtimertraum wollen Sie sich noch erfüllen?
Ich habe in meinem Leben schon zehn Enten besessen, im Moment habe ich keine. Eine Ente könnte ich mir noch einmal vorstellen.

Dieser Artikel ist in der neuen Ausgabe von „Dialoge – Das Audi-Technologiemagazin“ erschienen.

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Lachmund

9. January 2017 um 16:00
Ich kann das nur unterstützen. Der Konzern ist in der Pflicht etwas für die Tradition zu tun. Wenn man einen Audi der 70 er Jahre besitzt und evtl auch noch einen Audi Coupe S, dann kann dieser nur noch in der Garage versauern, denn wenn außer Zündkerzen, Bremsbelägen etwas anderes defekt ist, wie Synchronringe oder Vierpunktlager, dann ist überhaupt keine Lösung in Sicht. An einen Blechschaden will man gar nicht denken. Oder die Möglichkeit, 40 Jahre alte verschlissenen Sitzstoffe zu ersetzen ist, über Audi Tradition hoffnungslos. Die Besitzer können nur auf Hilfe im ACCD Club und deren Restbeständen hoffen.
Insofern ist die Audi Traditions Abteilung in der derzeitigen Verfassung überflüssig.

mithras

27. February 2015 um 18:53
Meiner Meinung nach ist in diesem Artikel der Sinn der Audi Tradition reichlich missverstanden.

Sicher arbeiten dort Enthusiasten, aber für den "Classic Owner", wie z.b. Herrn Frank, ist nicht der Zukauf weiterer "Leichen" substantiell, sondern der Erhalt der alten Schätzchen. Und hier greift die Tradition das auf, was der Mutterkonzern gerne als EOE (Entfallen ohne Ersatz) deklariert... nämlich die Ersatzteilversorgung.

Audi selbst brüstet sich in Werbeanzeigen gern mit seiner Tradition, im Rallye-Sport, in der alten DTM. Die Realität sieht eher düster aus, zum Erhalt der Tradition bräuchte man Teile... die oftmals nicht mehr zu bekommen sind.

Wie kann es sein, dass im Jahr 2004 schon keine Sitzbezüge für ein Audi Coupe BJ96 Lieferbar waren? Nach 8 Jahren Laufzeit?

Warum entfallen Sonderschrauben an den Federbeinen eines Audi 80, wo die doch bei jeder Achsvermessung, bei der der Sturz korrigiert wird, eigentlich erneuert werden müssen?

Und worin ist der Sinn die Gummi-Ansaugschläuche der Drosselklappe für die "berühmten 5-Zylinder" einfach nicht mehr zu führen? Porös geworden, laufen die Kisten nicht mehr. Und schon ist es ein "Stehzeug"

Um solche Fälle kümmern wir uns im "Clubleben der alten Kisten" tagtäglich. Rettung ist nicht in Sicht.

Meiner Meinung nach bemüht sich der Konzern regelrecht darum die Klassiker und "Angehenden" durch miserable Ersatzteilpolitik aussterben zu lassen. Das gibts bei keinem anderen deutschen Hersteller.

Insofern bin ich froh, dass es die Audi Tradition gibt, aber ich weiß wohl, dass die Leute ebenso gegen Windmühlen im Konzern kämpfen müssen.

Florian

1. September 2012 um 11:45
Kann man das Dialoge – Das Audi-Technologiemagazin irgendwo abbonnieren?

Britta Meyer

3. September 2012 um 8:00
Hallo Florian, Sie können unsere Publikation "Dialoge - Das Audi-Technologiemagazin" natürlich bestellen. Schicken Sie dazu einfach eine kurze E-Mail an dialoge-magazin@audi.de. Alternativ können Sie sich das Magazin auch als PDF in unseren Audi MediaServices herunterladen.

WINMAN

31. August 2012 um 9:44
der Herr Frank hat ein hervorragendes Statement abgegeben:

"Ich finde, ein Auto sollte nicht in der Garage versauern, auch ein Oldtimer nicht. Es ist schließlich ein „Fahrzeug“ und kein „Stehzeug“. So ein Auto hält auch mal einen Regenschauer aus."

leider stehen sich auch viele modernere und neue Autos die Reifen in der Garage platt.. das ist meiner Meinung nach völliger Unsinn!