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Trockenübung mit Gegenwind

Das Sailing Team Germany war am Mittwoch bei Audi zu Gast - und zwar an einem ausgefallenen Ort: Mit zwei Regatta-Booten testeten die vier Profi-Segler im Windkanal ihre Körperhaltung – für die entscheidenden Nuancen im Wettkampf.

 Julian Stückl, Tina Lutz, Susanne Beucke und Patrick Follmann (v.l.) vom Audi Sailing Team Germany
Julian Stückl, Tina Lutz, Susanne Beucke und Patrick Follmann (v.l.) vom Audi Sailing Team Germany
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Ein wenig ungewöhnlich sieht es schon aus: Wo sonst Audi-Limousinen und Sportkarossen dem Wind trotzen müssen, steht jetzt – ein Boot. Fünf Meter lang, der Mast ragt bis an die über acht Meter hohe Decke des so genannten Plenums, vor und hinter dem Boot klaffen dunkle Löcher, aus denen gerade ein frische Brise weht. Die Boote feierten am Mittwoch im Audi Windkanal in Ingolstadt Premiere. Skispringer, Radsportler und auch Schwimmer haben die technisch hochmoderne Anlage am Stammsitz des Unternehmens bereits genutzt, doch Segler waren hier noch nie zu Besuch.

Die 49er Jolle ächzt und knarzt leise unter dem Gewicht der Seglerinnen, aber ansonsten ist es vollkommen still im Windkanal. Die Pferdeschwänze von Susanne Beucke und Tina Lutz wehen locker hin und her, die Körper dagegen sind gespannt, die Füße der 22- und 21-Jährigen stemmen sich kraftvoll an der Bordwand der Jolle ab, ihre Rücken würden eigentlich über dem Wasser schweben – gerade ist da aber der feste Boden des Windkanals.

„Boa, ist das ungewohnt“, entfährt es der dunkelhaarigen Beucke, Vorschoterin auf der Jolle. Für alle Segelsportler ist es eine Umstellung, auf trockenem und stabilem Untergrund zu „segeln“. Steuerfrau Tina Lutz erklärt: „Es fühlt sich komisch an, weil der Wind, anders als auf dem Wasser, völlig gleichmäßig immer aus der gleichen Richtung weht.“ Seit sechs Jahren segeln die beiden zusammen auf der 49erFX, einer olympischen Bootsklasse mit breiten Wings, den charakteristischen Seitenflügel des Rumpfs. Mit ihrem Körpergewicht nach außen gelehnt, halte sich das Boot aufrecht.

Olympische Erfolge kann ihr 23-jähriger Segel-Kollege bereits vorweisen. Patrick Follmann belegte 2012 in London Platz 13. Hier im Windkanal sind die Segelhaltungen auch für ihn ungewohnt. Da stimmen er und Julian Stückl, der Vertreter für seinen eigentlichen Steuermann Ferdinand Genz, überein: „Das Boot bewegt sich nicht im natürlichen Wellengang,“ erklärt er das befremdliche Gefühl. Zudem wären die Segler an Bord eigentlich ständig in Bewegung: „Hier müssen wir aber in einer Position stillhalten, damit die Messungen gemacht werden können.“ Da spüre man schon irgendwann seinen Rücken, fügt er grinsend hinzu.

20 Testabläufe hat Joachim Hellmich für das Damen- und Herren-Team eingeplant. Er ist der Koordinator des Sailing Team Germany und erhofft sich präzise Ergebnisse von den aerodynamischen Tests im Audi Windkanal. Die Sportler stehen dabei im Mittelpunkt. Getestet werden verschiedene Körperhaltungen und Sportbekleidungen. Sollte der Steuermann besser im Windschatten des Vorschoters sein? Hat die Schwimmweste am Körper der Segler einen bedeutenden Einfluss auf die Geschwindigkeit des Bootes? All das wurde im Laufe des Mittwochabends herausgefunden.

Seit den Mittagsstunden wurde schon fleißig auf dem Prüfstand aufgebaut. Größte Herausforderung dabei war laut Robby Pyttel, Windkanal-Ingenieur bei Audi, die richtige Position für das Boot in der Windströmung zu finden. Im Winkel von circa 30 Grad, festgespannt auf einer Vorrichtung, stehen die Boote wie ein Fels gegen Windstärke von knapp 60 Stundenkilometer. Rein technisch wären im Audi Windkanal bis zu 300 Stundenkilometer möglich.

Audi Windkanal

Das erste Mal steht ein Boot im Audi Windkanal

Pyttel selbst ist „Segler im Anfangsstadium“ und stolz, das Sailing Team Germany im Windkanal zu haben. Auch Joachim Hellmich freut sich, auf den Prüfständen das technische Know-how des Automobilherstellers zu nutzen. „Hier können wir den Einfluss der Luftwiderstände auf die Sportler unter konstanten Bedingungen und ohne störende Umweltfaktoren testen“, erklärt er.

Aerodynamik schön und gut, aber geht es hier nicht um Nuancen? „Klar“, gibt Hellmich zu, “aber wer im Hochleistungssport gewinnen will, der muss eben auch die Nuancen im Griff haben.“ Er nickt voller Überzeugung. „Darum müssen wir jetzt auch loslegen“, sagt er zu den Segelsportlern gewandt. Tina Lutz und Susanne Beucke haken sich wieder am Trapezgurt ein und hängen sich routiniert in die Seile.

Die AUDI AG ist seit 2010 ist Hauptsponsor und Premiumpartner des Sailing Team Germany sowie Namensgeber der Deutschen Segelnationalmannschaft, dem Audi Sailing Team Germany. Der Autohersteller aus Ingolstadt ist einer der wichtigsten Partner im nationalen und internationalen Segelsport.

Audi Windkanal
Audi Windkanal
Audi Windkanal
Audi Windkanal
Audi Windkanal
Audi Windkanal

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