Aus unserem Archiv:

Unter Strom

Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas trumpft Audi derzeit mit einem Showcar der Extraklasse auf: Der Audi prologue piloted driving ist das erste pilotiert fahrende Concept Car. Wir haben das verantwortliche Team begleitet.

 Christoph Ott mit dem Audi prologue piloted driving
Christoph Ott mit dem Audi prologue piloted driving
Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Las Vegas am Dienstagvormittag um kurz vor 11 Uhr. Gleich startet die Audi-Pressekonferenz auf der Consumer Electronics Show (CES). Die Fotografen und Kameraleute drängeln sich bereits vor der Bühne, machen Fotos und versuchen, einen Platz zu erobern, der ihnen gute Sicht garantiert. Die Aufregung ist greifbar. Bis zu Christoph Ott dringt sie allerdings nicht durch: Er steht seelenruhig hinter der Bühne. Man sieht ihm nicht an, dass er und seine Kollegen verantwortlich sind für das, was die Journalisten so ungeduldig erwarten.

Nur kurze Zeit später lächelt Ott, denn er weiß: Es ist soweit. In diesem Moment steht Technikvorstand Ulrich Hackenberg auf der Bühne. Gleich werden seine Finger einen bestimmten Punkt auf der Smartwatch an seinem Handgelenk berühren und damit das Startsignal für das CES-Showcar geben. Kurz darauf fährt der Audi prologue piloted driving auf die Bühne – ohne Insassen. Fahrerlos und völlig sicher rollt das Showcar auf die Bühne und bringt sich in Position.

Der Audi prologue piloted driving ist das erste pilotiert fahrende Showcar. Christoph Ott und seine Kollegen Thomas Lachner und Jürgen Müller haben zusammen mit vielen anderen daran gearbeitet, es immer wieder verbessert, getestet und sichergestellt, dass am Ende alles funktioniert. „In dem Moment, in dem die Vorstände sich zum Gruppenfoto um das Auto aufstellen, weiß ich, jetzt hast du es hinter dir“, sagt er. „Bis dahin stehen wir hinter der Bühne alle mit mehr oder weniger angehaltenem Atem.“

Showcar CES 2015

Der Audi prologue piloted driving auf der Bühne in Las Vegas

Das Audi-Showcarteam besteht aus Mitarbeitern verschiedener Abteilungen. Jede ist auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert. Ott arbeitet im Team Elektrik/Elektronik und ist zusammen mit seinen Kollegen Thomas Lachner und Jürgen Müller nach Nevada gereist. Auf sie entfällt auf der Fachmesse die größte Aufmerksamkeit, denn inzwischen gibt es im Auto nur noch wenige Innovationen, die nicht mit Elektrik/Elektronik zusammenhängen.

„Vergangenes Jahr haben wir auf der CES das Audi virtual cockpit im Audi Sport quattro laser light concept präsentiert. Dieses Jahr zeigen wir die weiterentwickelte Version, das virtual cockpit future“, sagt Ott. Das Display besteht aus drei hintereinander gelegenen Ebenen und erzeugt einen 3D-Effekt für den Betrachter. Ein Highlight ist ein hauchdünnes, flexibles Touch-Display in der Mittelkonsole, das sich nach dem Aktivieren zum Fahrer neigt.

Die Integration stellte Otts Kollegen Thomas Lachner und Benjamin Ziegler vor eine technische Herausforderung, denn die Zeit für den Aufbau des Showcars war knapp. Damit es rechtzeitig auf der Messe ankommt, hatte das Team den Wagen schon am Morgen des Heiligen Abends von Ingolstadt nach München zum Zoll gebracht. Am 30. Dezember reisten die ersten Kollegen in die USA, um an Silvester den Audi prologue piloted driving beim Zoll in Los Angeles in Empfang zu nehmen und ihn nach Las Vegas zu transportieren. Die restlichen Tage blieben für finale Abnahmen, Tests und Vorbereitungen.

Showcar CES 2015

Der Audi Avantissimo wurde 2001 auf der IAA in Frankfurt präsentiert

„In Sachen Elektronik gehört dieses Showcar mit zu den Anspruchsvollsten, die ich bisher mit aufgebaut habe“, sagt Christoph Ott. Die Technologie zum pilotierten Fahren sowie die neuentwickelte Bedien- und Anzeigearchitektur umfassen nur einen Teil der Bereiche, für den Ott und seine Kollegen Müller und Lachner in Las Vegas verantwortlich sind. Seit 2000 arbeitet er im Showcarteam Elektrik/Elektronik und war mit seinem Team allein 2014 an sieben Messeautos beteiligt. Insgesamt hat er schon 50 Showcars betreut.

Ähnlich anspruchsvoll wie der Audi prologue piloted driving war nur einer: der Audi Avantissimo aus dem Jahr 2001. „Im Avantissimo war fast alles elektrisch: Mittelarmlehnen, Sitzanlage, die sich synchron zu einer ebenen Ladefläche verfahren haben. Jede Klappe war elektrisch beweglich und musste individuell verarbeitet und getestet werden. Das war unglaublich kleinteilig“, erinnert sich Ott. „Als bei der Präsentation auf der IAA alles funktioniert hat, wusste ich: Das ist genau mein Ding. Das ist der Beruf, den ich gesucht habe – oder eher die Berufung.“

Die Arbeit im Showcarteam ist oft hektisch, viel geschieht in sehr kurzer Zeit. Weil keines der Modelle auf bestehender Serienerfahrung beruht, geschieht jeder Arbeitsschritt zum ersten Mal. Gibt es Schwierigkeiten, ist Erfindergeist gefragt. Inzwischen haben Otts Kollegen Norbert Pichler und Marjan Vucina ein eigenes Bordnetzsystem entwickelt, um die kurzen Aufbauzeiten kompensieren zu können. Doch von Problemen wie diesen ist Christoph Ott heute weit entfernt. Jetzt ist seine Arbeit erst einmal getan und er kann die CES genießen – und sich inspirieren lassen.

Alle Infos zum Audi-Auftritt auf der CES in Las Vegas finden Sie auf Facebook und Twitter sowie auf Audi Media TV. Fotomaterial stellen wir zusätlzlich auf Flickr zur Verfügung. Eine Übersicht bietet Ihnen außerdem der Audi Newsroom.

Showcar CES 2015
Showcar CES 2015
Showcar CES 2015

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.