Aus unserem Archiv:

Unterwegs im Schnee

In der schwedischen Einsamkeit testete Blogger Don Dahlmann den Audi S1 auf Eis und Schnee. Sein Urteil: Ein „perfekter Kurvenräuber“, der dank quattro-Antrieb auf jedem Untergrund Spaß macht. Aber lesen Sie selbst.

 Don Dahlmann hat den S1 in Schweden getestet
Don Dahlmann hat den S1 in Schweden getestet
Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Sanft glitzert der Schnee in der schwedischen Sonne. Ein schönes Lichterspiel bei Temperaturen um null Grad – also wenn der Nordschwede schon überlegt, die Hemdsärmel hochzukrempeln, weil es gerade recht warm wird. Es ist schön friedlich hier am Molanda Raceway. Doch ich bin nicht hier, um versonnen die stillen schwedischen Wälder zu genießen und an einem Stück getrockneten Rentierfleisch zu nagen. Daran erinnert mich ein wütendes Vierzylindergeräusch, das irgendwo weiter hinten aus den Tannen schallt.

Was da durch den Wald röhrt und die Elche vertreibt, ist ein kleiner Audi, den man unter dem Kürzel A1 kennt. Aber diesem Fall wurde „A“ durch ein „S“ ersetzt. Unter der Haube werkelt ein 2.0 Liter TFSI, dem die Audi-Ingenieure 231 PS entlockt haben, die zornig aus dem Auspuff brüllen. 231 PS verteilt auf 1390 Kilogramm und verpackt in ein Auto mit kurzem Radstand und kurzen Überhängen. Das verspricht vor allem eins: viel Fahrspaß.

Schon die Beschleunigung dürfte nicht eingeweihte Beifahrer überraschen. 5.8 Sekunden braucht der Audi S1 aus dem Stand von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde und damit schlägt er etliche deutlich größer motorisierte Wagen aus der Mittelklasse. Auf der Autobahn dürfte bis zur Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometer pro Stunde auch so schnell keiner an dem Wagen vorbeikommen.

Audi S1 Fahrveranstaltung

Power beim Driften

Aber die Hatz auf der linken Spur ist nicht die größte Stärke des Wagens. Das sehr gut abstimmte Fahrwerk in Kombination mit dem TFSI-Motor ist das, was den S1 so besonders macht. Dazu kommt der Sound, der aus den vier Endrohren unter der Heckschürze rausposaunt. Der S1 kann leise, fast gelangweilt tun, aber ab 3.000 Umdrehungen pro Minute wird dann der berühmte Schalter umgelegt.

Erstaunlich, wie kernig und böse ein Vierzylinder klingen kann, was natürlich noch mehr Lust macht, die Drehzahlen möglichst lange oben zu halten. Kurven frisst der S1 wie kaum ein anderes Auto. Das Fahrwerk ist knackig wie schwedisches Knäckebrot und auf engen Landstraßen kann man schwindelerregende Kurvengeschwindigkeiten erreichen. Bevor das ESP überhaupt über einen Eingriff nachdenkt, geht man lieber schon mal vom Gas.

Dank quattro-Antrieb schrecken einen auch nicht plötzlich auftauchende Schneeflecken auf der Straße. In Schweden kann es leicht passieren, dass man hinter einer Kurve plötzlich vor einem nicht geräumten Abschnitt steht. Aber der S1 zieht auch dann stoisch seine Bahn und fordert keck den Gasfuß heraus.

Will man den quattro richtig fordern, muss man schon aufs glatte Eis gehen. Ein zugefrorener See, ein Handlingsparkour und ein ausgeschaltetes ESP sind Zutaten für sehr steile Driftwinkel. Und wenn man es mal übertreibt, reicht ein Tritt aufs Gaspedal und der Quattroantrieb zieht den Wagen wieder in die richtige Richtung. Ins Schwitzen kommt dabei nur der Fahrer, der am Lenkrad kurbelt, während der S1 Eis und Schnee unter sich aufwühlt und mit allen vier Reifen in die schwedische Pampa befördert.

Audi S1 Fahrveranstaltung

Die Sportsitze bestimmen den Innenraum

Es ist vielleicht ein bisschen gemein, wenn man den S1 als die Wiederentdeckung des GTI feiert. Aber das Auto bietet genau das, was Fahrphysikfetischisten so gerne haben. Performance, um an der Ampel mal einen Porsche zu ärgern, und eine Kurvenlage, die einem Freudentränen in die Augen treibt. Die Gier nach Drehzahlen, nach diesem kernigen Sound, die Lust auf die nächste Kurve, die ruhig noch etwas enger sein kann – der Audi S1 ist das, was man liebevoll eine „perfekte Rennsemmel“ nennt.

Und eigentlich ist der S1 auf einer öffentlichen Straße fast etwas unterfordert. Vor allem, wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen in Schweden hält, was wir natürlich jederzeit (*hust*) gemacht haben. Der Slalom oder eine enge Rennpiste sind Reviere, in denen der S1 vermutlich so ziemlich alles stehen lassen wird, was ihn herausfordert.

Sind 231 PS in einem Kleinwagen nicht ein wenig unvernünftig? Natürlich! Aber in Zeiten, in denen es fast immer darum geht „vernünftig“ zu sein, braucht man auch mal eine kleine Flucht, eine schöne Unvernunft, die man sich in die Garage stellen kann. Die man nutzt, wenn man nach einem total vernünftig gelebten Tag mal für eine Stunde bewusst unvernünftig über die Landstraße räubern will.

Die Fotos in diesem Beitrag stammen von Jo Fischer. Mehr von Don Dahlmann können Sie im Racingblog lesen. Weitere Blogger-Testberichte zum Audi S1 finden Sie bei Arild Eichbaum, Jan Gleitsmann, Jens Stratmann und Thomas Majchrzak.

 

————————————–

S1

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,3-7,1**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 168-166**

**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.