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Unterwegs in geheimer Mission

Sie sind streng geheim und gut getarnt: Erlkönige. Wo auch immer sie auftauchen, ziehen sie neugierige Blicke auf sich. Autorin Dorothea Joos ist bei einer Testfahrt mit einem solchen Prototypen mitgefahren und lüftet einige Geheimnisse.

 Unterwegs mit Versuchsingenieur Martin: Mit einem Computer stimmt er die Einstellung des elektronischen Stabilitäts-Programms (ESP) ab.
Unterwegs mit Versuchsingenieur Martin: Mit einem Computer stimmt er die Einstellung des elektronischen Stabilitäts-Programms (ESP) ab.
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Es ist früher Vormittag. Die Sonne brennt bereits vom Himmel. Wir sind unterwegs auf einer Landstraße, irgendwo in Deutschland. Wo genau, darf ich nicht sagen. Auch nicht mit wem. So geheim ist der Audi, mit dem wir unterwegs sind. Es ist ein Erlkönig – ein getarnter Prototyp.

Am Steuer: einer der erfahrensten Versuchsingenieure bei Audi – nennen wir ihn Martin. Seit fast 30 Jahren testet er Prototypen der Marke mit den Vier Ringen und entwickelt sie weiter. „Ich habe damals direkt nach dem Maschinenbaustudium bei Audi angefangen“, erzählt er. Sein erster Prototyp war ein Audi 80.

Warum Erlkönige mit Tarnfolie beklebt werden

Damals waren Erlkönige noch mit schwarzen Folien getarnt. Der Audi, mit dem wir heute unterwegs sind, ist mit schwarz-weißen Kringeln beklebt, einer sogenannten Tornado-Folie. Die spezielle Tarnung wurde früher im Militär eingesetzt. Die Muster sollen optische Verwirrung stiften, die Konturen unter der Folie sind nicht mehr klar erkennbar. Und genau darum geht es bei einem Erlkönig.

„Meist erproben wir neue Autos auf Testgeländen. Aber wer in der Realität bestehen will, muss seine Autos auch dort testen“, erklärt Martin. „Ein Stauassistent beispielsweise kann am besten unter Alltagsbedingungen erprobt werden.“ Trotzdem sollen neue Technologien und Designs geheim bleiben. Ansonsten kann für das Unternehmen ein wirtschaftlicher Schaden entstehen, wenn beispielsweise Patente auf ein spezielles Design nicht mehr angemeldet werden können.

Im Tarnkleid: So wie dieser neue Audi Q7 war auch der geheime Prototyp beklebt, mit dem unsere Blog-Autorin eine Testfahrt machen durfte.

 

Um das zu verhindern, gibt es bei Audi spezielle Tarnungen, die individuell den Bedürfnissen für die jeweilige Erprobung angepasst werden. Jährlich sind über eintausend Audi-Erlkönige weltweit unterwegs. Wer auf den Namen Erlkönig kam, der an eine berühmte Ballade von Goethe erinnert, weiß übrigens keiner mehr so genau. Mein Blick fällt auf die vielen Kabel unter dem Beifahrersitz. Hier verbirgt sich die Messtechnik. Versuchsingenieure verlassen sich stark auf ihr subjektives Fahrgefühl. Trotzdem spielen auch technische Messungen eine entscheidende Rolle. Martin kann seinen Laptop anschließen und sich unter anderem Diagramme zum Verhalten verschiedener Fahrsicherheitssysteme ausgeben lassen. Wenn er noch nicht völlig zufrieden ist, nimmt er über die Software minimale Veränderungen vor und testet die gleiche Strecke nochmal. Solche Teststrecken müssen unterschiedliche Anforderungen bedienen. Kurvenreiche Bergpässe sind ebenso wichtig wie holprige Wüstenstraßen.

Traumjob Audi-Testfahrer?

„Für mich ist das ein Traumjob. Ich bin in der ganzen Welt unterwegs und kann die neueste Technik mitentwickeln“, schwärmt Martin. Die Einstellungskriterien für einen Testfahrer? „Er muss autoaffin sein und souverän im Straßenverkehr fahren“, sagt Martin. „Rennfahrer brauchen wir nicht. Wir möchten andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden. Außerdem ist ein Prototyp sehr teuer und sollte nicht durch leichtsinniges Verhalten beschädigt werden.“

Unterwegs mit einem Erlkönig

Gut verpackt: Sobald ein Erlkönig abgestellt wird, muss er mit einer Spezialplane abgedeckt werden. Diese wird zusätzlich mit einem Vorhängeschloss gesichert.

 

Für Testfahrten gibt es strenge Regeln: Immer nur zu zweit im Auto oder in der Kolonne fahren. Wer mit dem Erlkönig im Stau steckt, muss spezielle Verhaltensregeln befolgen, um das Auto vor neugierigen Blicken zu schützen. „Ich wurde schon häufiger bis zur Tankstelle verfolgt. Dann wollen die Leute wissen, welches Auto sich unter der Folie verbirgt“, erzählt Martin. „Gerade Deutschland ist einfach ein autoverrücktes Land.“ Da ist er froh, dass seine geheimen Testfahrzeuge möglichst gut geschützt sind.

 

 

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