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Vier Ringe für ein Kamel

6.000 Kilometer in drei Wochen und alles ohne Navigationsgerät: Die beiden Audi-Mitarbeiter Stefan Vollnhals und Nils Riebeling machten sich mit vier Freunden und drei Audi auf den Weg von Oberstaufen nach Amman in Jordanien.

 Endlich am Ziel: Sophie, Steffi, Simon, Nils, Stefan und Henrik beim Erinnerungsfoto in bayerischer Tracht
Endlich am Ziel: Sophie, Steffi, Simon, Nils, Stefan und Henrik beim Erinnerungsfoto in bayerischer Tracht
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Eigentlich soll die Allgäu-Orient-Rallye am 3. Mai pünktlich um acht Uhr in Oberstaufen starten. Doch das Team „Mission Camel“ kann sich erst um 14 Uhr auf den Weg machen, das Aufnahmeprozedere dauert. Diese Startverzögerung stiehlt den Teilnehmern bereits vor den ersten Kilometern wertvolle Zeit. 111 Teams sind dabei, jedes tritt mit drei Autos die rund 6.000 Kilometer lange Reise in den Orient an. Der Tross von 333 bunt beklebten Fast-Oldtimern setzt sich wie eine Karawane in Bewegung. Die geplante Route verläuft über den Balkan nach Istanbul, von dort über Anatolien nach Iskenderun, mit der Fähre nach Israel und zuletzt über den Jordan nach Jordanien.

Unter den Teilnehmern sind dieses Jahr auch die beiden Audi-Mitarbeiter Nils Riebeling und Stefan Vollnhals, sowie vier ihrer Freunde. Nach wochenlanger Suche hatte das Team „Mission Camel“ zwei Audi A6 Avant und einen Audi 100 ergattert, mit denen sie nun die Strecke wagen wollen. „Die Autos waren Alter und Laufleistung entsprechend in einem sehr guten Zustand. Trotzdem mussten wir vereinzelt ausbessern oder zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen“, erzählt Stefan Vollnhals, der sonst bei Audi im Vertrieb Deutschland arbeitet.

Für die Autos gelten strenge Regeln: Entweder mindestens 20 Jahre alt müssen sie sein oder maximal 1.111,11 Euro kosten. Die erste Aufgabe der Teams beginnt damit bereits vor dem Start: Die Autos müssen reisetauglich gemacht werden, denn die zweite Rallye-Regel lautet: Autobahnen sind tabu, nur Nebenwege und Landstraßen dürfen befahren werden. Als dritte Herausforderung müssen auch die Navigationsgeräte zu Hause gelassen werden.

Vier Ringe für ein Kamel

Teammitglied Henrik lässt bei jedem Grenzübergang ein Foto von sich mit BVB-Schild und im FC Bayern-Trikot aufnehmen. Diese Bilder sind Teil der Rallye-Aufgaben, die auf dem Weg erledigt werden müssen

„Für die schlechteren Straßen und Offroad-Abschnitte haben wir extra einen Unterfahrschutz angebracht, um die Ölwanne und den Motor vor Steinen zu schützen. Außerdem haben wir die Bremsen überprüft und neu bestückt und zusätzlich noch verschiedene Hupen und Blinklichter angebracht“, erklärt Vollnhals. Unterstützt wurden sie dabei von Auszubildenden der Audi-Lehrwerkstatt.

Henrik Bode stellt sich bei der Rallye einer besonderen Herausforderung: Um Spenden von seinen Freunden zu sammeln, soll er an jedem Grenzübergang ein Erinnerungsfoto im Trikot des FC Bayern München knipsen. Keine angenehme Aufgabe für einen bekennenden Borussia Dortmund Fan. „Das gehört dazu, eine Charity-Rallye ist kein Wettrennen, sondern soll vor allem Spaß machen“, so Teamkapitän Stefanie Euringer.

Deshalb ist auch die Anzahl der Kilometer begrenzt, die die Teams pro Tag fahren dürfen. Zwischen 555 und 666 Kilometer dürfen es sein. Je nach Straßenzustand ist auch das schon eine echte Herausforderung. Das erste Etappenziel Rijeka in Kroatien hat „Mission Camel“ deswegen nicht geschafft. Kurzerhand übernachteten sie in der Nähe von Udine in Italien, rund 150 Kilometer vor Rijeka. „Und selbst den Zeltplatz dort haben wir erst um 2.30 Uhr nachts erreicht. Ab Istanbul dauerten die Etappen mit Roadbook dann zwischen sechs und acht Stunden, das Sightseeing-Programm mit eingerechnet“, so Stefan Vollnhals.

Vier Ringe für ein Kamel

Die letzte Etappe ist erreicht. Alle Audi haben es in die Wüste geschafft

Die türkische Metropole Istanbul kann „Mission Camel“ nur rund zwölf Stunden genießen. Nach einem Aufenthalt in Ankara fährt das Team weiter nach Corum und Tokat, wo ein Unfall für Verspätung sorgt. Auf dem Weg nach Iskenderun muss ein weiteres Auto der „Mission Camel“ wegen einer gebrochenen Spurstange in die Werkstatt, die Weiterfahrt verzögert sich. Es wird knapp, doch die Einheimischen unterstützen „Mission Camel“ bei den nötigen Reparaturarbeiten.

„Egal wo wir waren, die Menschen waren wirklich hilfsbereit. Im Zweifel haben sie uns mit Händen und Füßen den Weg erklärt“, erzählt Riebeling. Nach dem dreitägigen Werkstattaufenthalt und einer zusätzlichen Spätschicht ist „M“, wie das Team den silbernen Audi A6 Avant getauft hat, wieder fahrtüchtig und die Gruppe kann sich zur letzten Etappe aufmachen, um die Fähre in Iskenderun noch rechtzeitig zu erreichen. „Man sollte sich durch die Sprachbarrieren nicht einschüchtern lassen. Es lohnt sich, Land, Leute und das typische Essen kennenzulernen“, lautet das Fazit, als alle Teammitglieder mehr und die Audi weniger wohlbehalten in Jordanien ankommen.

Dort folgt der Höhepunkt der Rallye: Die Siegerehrung und die anschließende Übergabe der Autos. Die bleiben nämlich im Land und werden für den guten Zweck zerlegt. Der Erlös des Ersatzteilverkaufs wird gespendet. Dem Rallyesiegerteam winkt als Hauptpreis ein echtes Kamel, das im Anschluss einer bedürftigen Beduinenfamilie übergeben wird. In den vergangenen Rallyes kam immer ein Betrag von etwa 250.000 Euro für verschiedene Stiftungen zusammen. Aber ein vierter Platz für „Mission Camel“, hunderte Fotos und die Erinnerung, zwölf Länder mit drei Audi durchquert zu haben, sind für die Teammitglieder auch ganz persönlich ein Gewinn.

Einen detaillierten Reisebericht können Sie auf der Homepage des Teams und auf der Facebook-Seite nachlesen.

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