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Vorsprung durch Design und Handarbeit

Auf der IAA feiert der Audi e-tron quattro concept seine Weltpremiere - das Audi Blog hat den Entstehungsprozess des neuen Showcars begleitet und mit den Designern über ihre Arbeit und das Clay-Modell gesprochen. Ein Blick hinter die Kulissen.

 Audi-Desinger Caffrey passt die Linienführung an der Hintertür minimal an
Audi-Desinger Caffrey passt die Linienführung an der Hintertür minimal an
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„Die Wölbung hier, das sind die Muskeln“, sagt David Caffrey und streicht entlang einer erhabenen Kante über der Hintertür. Die leichte Wölbung, die er fühlt, wurde in Handarbeit erschaffen. Von seiner ersten Skizze bis zum nun vor ihm stehenden Auto sind knapp acht Monate vergangen. „Unsere Aufgabe lautete, den sportlichsten, effizientesten, aerodynamischsten SUV zu designen, der obendrein noch sexy ist“, so der Designer aus dem Exterieur-Team.

 

Die ersten Skizzen für die IAA

Daraufhin begannen alle Designer im Team, Skizzen anzufertigen. Ihre Ideen präsentierten sie den Kollegen in ihrem internationalen Designteam und legten dann die beiden Designs fest, die vertieft werden sollten. So kam der Ire David Caffrey mit dem aus Polen stammenden Kamil Labanowicz zusammen. Gemeinsam entwickelten die beiden ihren Ansatz für das Exterieur-Design weiter. Mehr als zehn Nationalitäten wirkten dabei am Modell mit.

„Durch die enge Zusammenarbeit und Kompromisse, die man im Team eingehen muss, kann ich meine eigenen Ideen weiter verbessern“, sagt Labanowicz, „das ist eine gute Erfahrung und bringt persönliche Entwicklung.“

Von der Exterieur-Skizze zum Clay-Modell

Nachdem die Skizzenphase beendet ist, übersetzten die Designer ihre Ideen, mittels Einsatz von CAD (Computer Aided Design), in Datenmodelle. „Wir sehen unsere Vorstellung zwar schon in 3D, später im Clay-Modelling-Prozess finden wir aber erst die besten Proportionen, das tatsächliche Design“, verrät Caffrey. Am Clay-Modell fühlen die Designer die Linienführungen, das geht am PC nicht. Andererseits ist mit der Hand nicht kontrollierbar, ob es aus Ingenieurssicht funktioniert. „Wir brauchen deshalb beide Prozesse“, so Labanowicz.

Zu Beginn des Clay-Prozesses besteht das Modell aus vier Rädern, einem Holzunterbau, auf dem Polyurethanplatten befestigt werden, auf welchem dann der Clay aufgetragen wird, ein spezielles Industrieplastilin. „Ein Vorteil vom Clay-Modell ist, dass wir das Modell später auch nach draußen bringen können. Im Tageslicht wirkt es noch mal ganz anders“, sagt Labanowicz.

Insgesamt haben Caffrey und Labanowicz cirka sechs Monate mit einem Team von Clay-Modelleuren am Design des e-tron quattro concept gearbeitet. „Wir kleben Tapes auf markante Linien, um den Modelleuren zu zeigen, wie wir die Höhe, Breite, Wölbung oder Position einer Linienführung oder Fläche verändert haben wollen. Das sind oft nur wenige Millimeter“, sagt Caffrey. Eine minimale Veränderung zieht aber oft eine Reihe von Anpassungen an anderen Stellen des Fahrzeugmodells nach sich. Das Team muss dann erneut überprüfen, ob weitere Linien verschoben oder Wölbungen angepasst werden müssen, damit sowohl das Design als auch die Funktionalität gegeben ist.

Vorsprung durch Design und Handarbeit

Ulrich Beierlein (links) stellt Chef-Designer Marc Lichte die neuesten Entwicklungen des Interieurs des Audi e-tron quattro concept am Clay-Modell vor

 

Vom Interieur-Konzept zum Clay-Modell

Parallel zu den Exterieur-Designern entwickeln die Kollegen aus dem Interieur-Bereich ihre Konzepte für den Innenraum des zukünftigen Audi. Regelmäßig haben sich die Teams miteinander abgestimmt, da ihre Vorstellungen sich gegenseitig bedingen. „Die Interieur-Designer wollen mehr Platz im Innenraum zur Verfügung haben, wir wollen das Auto so sportlich und schnittig wie möglich auf die Straße bringen“, sagt Caffrey. „Da treffen dann manchmal Gegensätze aufeinander, die man zusammen bringen muss.“

Der Audi e-tron quattro concept zum Beispiel hat keine Außenspiegel. „An ihrer Stelle fahren Kameras aus, deren Aufnahmen auf die Türinnenseite projiziert werden. Diese Flächen müssen im Interieur-Design berücksichtigt werden“, erklärt Labanowicz.

Neben der Effizienz und Langstreckentauglichkeit steht wie bei jedem Audi auch beim e-tron quattro concept die Sportlichkeit im Fokus. „Aber auch das Antriebskonzept soll ganzheitlich zu spüren sein. Das Interieur soll genauso progressiv sein wie der Antrieb des Autos“, sagt Ulrich Beierlein, verantwortlich für die Architektur des Interieur-Designs. „Das Kombiinstrument besteht aus einem sehr dünnen und leichtgekrümmten OLED-Display (organic light emitting diode). Im gesamten Innenraum sieht man die Symbiose aus Sportlichkeit und Hightech, kombiniert mit einem einzigartigen Raumgefühl.“

Vorsprung durch Design und Handarbeit

David Caffrey und Kamil Labanowicz vergleichen ihre Skizzen mit der Darstellung im CAD und dem Clay-Modell

 

Wie im Exterieur-Bereich erstellen die Designer des Interieurs zunächst ein virtuelles Computermodell auf der Basis von Designskizzen und Taperenderings, auf dessen Datenbasis im Anschluss das Clay-Modell gefräst wird. Nach den Fräsarbeiten, die maschinell erfolgen, arbeiten Clay-Modelleure von Hand nach. Sie glätten die noch rauen Areale und modellieren jede Fläche, jede Linie mit viel Geduld und hoher Präzision. Für die Umsetzung des Designmodells wird es abgescannt und die erfassten Daten von CAD-Spezialisten im Rechner weiter optimiert. Sie arbeiten technische Anforderungen ein und leiten den nächsten Fräsprozess in die Wege. Ein sich mehrfach wiederholender Ablauf.

Hand in Hand bis alles funktioniert

Während des gesamten Prozesses arbeiten die Teams von Exterieur- und Interieur-Design eng mit den Kollegen vom Colour & Trim-Bereich zusammen. Nicht nur die Farben der einzelnen Elemente sind von Bedeutung, sondern auch die Materialien aus denen sie bestehen und ihre Oberflächenstruktur. „Beim e-tron quattro concept war es wichtig, Materialien zu finden, die den Raumeindruck unterstützen“, sagt Beierlein, der schon seit 17 Jahren im Design bei Audi beschäftigt ist. Besonders durch Kontraste – sowohl bei Farbe als auch bei Material – ist das gelungen. „Das Raumgefühl ist trotz der virtuellen Möglichkeiten nicht so erlebbar wie in einem 1:1 Clay-Modell. Es ist ein richtiges Auto zum Anfassen, man sieht und spürt sofort, wenn etwas nicht funktioniert.“

Vorsprung durch Design und Handarbeit

Die Fräsen übertragen die Werte aus dem Computer 1:1 auf das Clay-Modell

 

Beim e-tron quattro concept funktioniert nun alles. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt gibt Audi der Weltöffentlichkeit einen Ausblick in die Zukunft der Elektromobilität. Quasi der Urmeter für zukünftige e-tron Fahrzeuge der Marke. Doch das ist nicht der bewegendste Augenblick für die Designer. „Der unvergesslichste Moment ist, wenn du dein Design das erste Mal auf der Straße siehst“, sagt Labanowicz. Denn auch wenn man durch virtual reality heute nahezu realistische Vorstellungen erzeugen kann, real life ist nochmal  ein völlig anderes Erlebnis.

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